Wer Körpersprache deuten möchte, sollte mit einer Regel beginnen: nie eine einzelne Geste für sich nehmen. Achten Sie zuerst darauf, wie sich die Person normalerweise verhält, bemerken Sie Veränderungen, suchen Sie mehrere Signale, die in dieselbe Richtung zeigen, und prüfen Sie Ihren Eindruck dann mit einer Frage. Der Körper liefert Hinweise darauf, wie sich jemand fühlen könnte, aber keine Übersetzung seiner Gedanken. Unten finden Sie vier Schritte, eine Tabelle häufiger Signale mit ihren anderen möglichen Bedeutungen, einen Blick auf die berühmte „7-38-55-Regel“ und einen Übungsplan für sieben Tage.
Kurz gesagt:
- Lernen Sie zuerst das normale Verhalten der Person kennen.
- Eine Geste kann mehrere Bedeutungen haben oder keine.
- Achten Sie auf mehrere Signale zusammen und auf die Situation.
- Verstehen Sie Ihren Eindruck als Vermutung und fragen Sie nach.
- Gesten hängen von Kultur, Gewohnheiten und Persönlichkeit ab.

In diesem Artikel · 7 Min. Lesezeit
- Was ist Körpersprache?
- Körpersprache deuten in 4 Schritten
- Häufige Signale und was sie sonst noch bedeuten können
- Und die 7-38-55-Regel?
- Wie Kultur das Bild verändert
- Die eigene Körpersprache verbessern
- Ein Übungsplan für 7 Tage
- Was das Buch von Berthold Wegener dazu beiträgt
- Wenn Körpersprache nicht reicht
- Fragen zur Körpersprache
- Quellen

Was ist Körpersprache?
Körpersprache umfasst alles, was wir ohne Worte mitteilen: Mimik, Blickkontakt, Haltung, Gesten, den Abstand zu anderen und den Einsatz der Stimme. Der Ratgeber von Karrierebibel betont, dass Körpersprache Hinweise liefert, aber keine eindeutigen Übersetzungen, und dass Persönlichkeit, Gewohnheiten und kultureller Hintergrund sie prägen. Was bei einer Person auffällt, kann bei einer anderen ganz normal sein.
Deshalb geht es weniger darum, ein Wörterbuch der Gesten auswendig zu lernen, als darum, aufmerksam zu sein. Auch Utopia weist darauf hin, dass die Fähigkeit, Körpersprache zu lesen, wesentlich von der emotionalen Intelligenz abhängt – und diese lässt sich trainieren.
Körpersprache deuten in 4 Schritten
Sie brauchen keine Ausbildung, nur etwas Geduld. Die Schritte funktionieren in einer Besprechung, beim ersten Date oder am Familientisch.
- Das Grundverhalten kennenlernen. Bevor Sie etwas deuten, beobachten Sie, wie die Person normalerweise sitzt, gestikuliert und Sie ansieht. Wer unruhig ist, denkt vielleicht einfach besser in Bewegung. Ein Signal bekommt erst im Vergleich zum üblichen Verhalten Bedeutung.
- Die Veränderung bemerken. Aufschlussreich ist der Wechsel: Wer entspannt war und bei einem bestimmten Thema plötzlich mit verschränkten Armen zurückrückt, verrät mehr als jemand, der immer so sitzt.
- Eine Signalgruppe im Kontext suchen. Ein Signal ist ein Hinweis, drei oder vier in dieselbe Richtung ein Muster. Verschränkte Arme, eine knappere Stimme, ein abgewandter Oberkörper und ein Blick zur Tür sagen zusammen mehr als jedes für sich. Dann achten Sie auf die Situation: Verschränkte Arme in einem kalten Raum bedeuten vielleicht nur, dass es kalt ist.
- Durch Nachfragen prüfen. Nutzen Sie Ihre Beobachtung für eine bessere Frage, nicht für ein Urteil. „Sie wirken bei diesem Punkt etwas unsicher, stimmt das?“ lässt die Tür offen. „Sie verheimlichen etwas“ schließt sie.
Das weiter unten vorgestellte Buch warnt ähnlich: Eine einzelne Geste kann mehrere Bedeutungen haben oder gar keine, deshalb rät es, auf Gruppen von Signalen zu achten.
Häufige Signale und was sie sonst noch bedeuten können
Die Tabelle zeigt Deutungen, die in Ratgebern oft auftauchen, neben anderen Erklärungen, die Sie im Kopf behalten sollten. Die letzte Spalte ist die wichtigste.
| Signal | Oft gedeutet als | Kann auch sein |
|---|---|---|
| Verschränkte Arme | Distanz, Schutz, Ablehnung | Kälte, eine bequeme Haltung |
| Wenig Blickkontakt | Unbehagen, Desinteresse | Schüchternheit, Konzentration, in manchen Kulturen Respekt |
| Füße zur Tür gedreht | Wunsch zu gehen | Der Stuhl steht nun einmal so |
| Oberkörper leicht nach vorn | Interesse | Besser hören wollen |
| Offene Handflächen | Offenheit, Beschwichtigung | Eine Gewohnheit beim Sprechen |
| Mit den Fingern spielen | Nervosität, Langeweile | Gewohnheit |
| Lächeln nur mit dem Mund | Höflichkeit | Das echte Lächeln einer zurückhaltenden Person |
Laut Karrierebibel deuten verschränkte Arme auf Distanz hin, können aber auch einfach bequem sein, und offene Handflächen auf Offenheit. Utopia nennt als Beispiel für ein ehrliches Lächeln, dass auch die Augen beteiligt sind, und dass die Füße unbewusst die Richtung anzeigen, etwa wenn jemand gehen möchte. Verstehen Sie das alles als Tendenzen. Unser Buch nennt weitere Beispiele, etwa die geballte Faust für zurückgehaltenen Ärger, das Schulterzucken für „Ich weiß nicht“ und Hände in den Hosentaschen für Desinteresse, und warnt ebenfalls, dass keines davon sicher ist.

Und die 7-38-55-Regel?
Sie haben bestimmt schon gehört, dass „93 Prozent der Kommunikation nonverbal sind“. Das stammt aus der „7-38-55-Regel“, die dem Psychologen Albert Mehrabian zugeschrieben wird: 7 % Worte, 38 % Stimme, 55 % Körpersprache. Laut Wikipedia über Albert Mehrabian führte er Ende der 1960er Jahre zwei Studien mit wenigen Teilnehmenden durch, veröffentlicht 1967. Beide untersuchten widersprüchliche Botschaften: In der einen wurden Wörter wie „Danke“ oder „nicht“ in passendem oder gegensätzlichem Tonfall gesprochen, in der anderen das Wort „maybe“ mit Fotos kombiniert, die Ablehnung, Neutralität oder Zuneigung zeigten. Ergebnis: Bei Widersprüchen wirkte die Stimme stärker als der Inhalt und der Gesichtsausdruck stärker als die Stimme.
Die Regel gilt demnach nur, wenn sich die Kanäle widersprechen, und nur für Gefühle und Einstellungen wie Mögen und Ablehnen. Der Artikel nennt die Verallgemeinerung auf alle Kommunikation einen Mythos, dem Mehrabian selbst widerspricht. Die Zahlen sagen also etwas Enges: Wenn Worte, Stimme und Gesicht beim Gefühl nicht zusammenpassen, vertrauen wir eher Stimme und Gesicht. Sie belegen nicht, dass in jedem Gespräch der Großteil der Bedeutung vom Körper kommt. Beim Vortrag oder beim Erklären eines Plans zählen die Worte sehr.
Wie Kultur das Bild verändert
Dieselbe Geste kann je nach Kultur Unterschiedliches bedeuten. Utopia merkt an, dass Blickkontakt in Westeuropa soziale Bindung zeigt, in anderen Kulturen aber als Provokation gelten kann. Auch der angenehme Abstand zwischen Menschen ist nicht überall gleich. Unser Buch nennt ungefähre Zonen von der intimen (bis etwa 45 cm) bis zur öffentlichen (ab etwa 3 m), doch diese Richtwerte schwanken von Person zu Person und von Kultur zu Kultur.
Praktisch heißt das: Bei Menschen aus einem anderen Umfeld gewichten Sie Ihre Deutung noch weniger und Ihre Fragen noch mehr. Wenn Sie reisen oder in einem internationalen Team arbeiten, beobachten und fragen Sie, bevor Sie urteilen.
Die eigene Körpersprache verbessern
Die vier Schritte lassen sich auch auf sich selbst anwenden. Unser Buch nennt einige Gewohnheiten: Freunde fragen, wie Sie wirken, die eigene Stimme aufnehmen, bewunderte Redner nachahmen, sich aufrecht halten, sich beim Zuhören leicht nach vorn lehnen und den Gesichtsausdruck zu den Worten passen lassen. Das Spiegeln anderer soll „nicht zwanghaft“ geschehen: Jede Bewegung zu kopieren wirkt merkwürdig. Der Blickkontakt sollte natürlich bleiben, bei sehr schüchternen Menschen etwas weniger und dort, wo die Kultur ihn als aufdringlich empfindet.
Ein Übungsplan für 7 Tage
Fähigkeiten wachsen in kleinen Schritten. Fünf Minuten am Tag reichen.
| Tag | Übung |
|---|---|
| 1 | In einem Gespräch nur das Grundverhalten beobachten: Wie sitzt und spricht diese Person normalerweise? |
| 2 | Eine Veränderung gegenüber diesem Grundverhalten bemerken und das Thema notieren |
| 3 | Ein kurzes Video ohne Ton ansehen und drei Signale notieren, nicht nur eines |
| 4 | Eine Deutung in eine sanfte Frage verwandeln: „Sie wirken …, stimmt das?“ |
| 5 | Dreimal am Tag die eigene Haltung wahrnehmen |
| 6 | Eine Minute lang aufnehmen, wie Sie etwas erklären, und auf natürliche Gesten achten |
| 7 | Rückblick: Welche Deutungen waren falsch, und warum? |
Der letzte Schritt ist der nützlichste. Sich ein paar Mal zu irren, gehört zum Lernen.
Was das Buch von Berthold Wegener dazu beiträgt
In „Ausdrucksweise verbessern und Wortschatz erweitern“ widmet Berthold Wegener zwei Kapitel dem Lesen von Menschen und der nonverbalen Kommunikation. Es geht um die fünf Elemente, die man beobachten kann (Stimme, Gesten, Mimik, Haltung, Gefühle), die sechs grundlegenden Gesichtsausdrücke, Blick und Lächeln, Berührung, Abstände zwischen Menschen und die stimmlichen Signale, die das Sprechen begleiten, jeweils mit Übungen. Der Untertitel verspricht, „das Lesen von Menschen“ zu erlernen; der Text selbst ist vorsichtiger und betont, dass eine Geste mehrere Bedeutungen haben kann oder keine.
Das Buch ist ein allgemeiner Kommunikationsratgeber und kein reines Körpersprache-Handbuch: Es behandelt auch Wortschatz, Rhetorik, Zuhören, Verhandeln und Reden vor Publikum. Für dieses Thema sind die Kapitel 10 und 11 der richtige Einstieg. Es gibt auch eine Hörbuchfassung.
Weitere Ideen finden Sie im Books-Go-Blog und bei den anderen Titeln von Books Go Publications. Der Artikel über aktives Zuhören ergänzt diesen gut, denn Zuhören und Beobachten gehören zusammen, und der über Smalltalk-Themen zeigt, wie Sie ein Gespräch weiterführen, wenn Sie die Stimmung des anderen wahrgenommen haben.
Wenn Körpersprache nicht reicht
Körpersprache ist keine Diagnose. Entscheiden Sie damit nicht, ob jemand lügt, depressiv oder gefährlich ist. Wirkt eine Person aus Ihrem Umfeld verzweifelt, sprechen Sie sie direkt und behutsam an und ermutigen Sie sie, mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Fachperson für psychische Gesundheit zu sprechen. Sind Sie oder jemand in Ihrer Nähe in Gefahr, finden Sie über das internationale Verzeichnis Find a Helpline eine Hilfetelefon-Nummer.
Fragen zur Körpersprache
Worauf sollte ich beim Deuten zuerst achten?
Auf das normale Verhalten der Person. Nur eine Abweichung davon sagt etwas aus, und auch dann ist es ein Hinweis, kein Beweis.
Verrät die Körpersprache, ob jemand lügt?
Nicht zuverlässig. Laut Karrierebibel beweisen nervöse oder ungewöhnliche Bewegungen keine Lüge, und es gibt keine einzelne Geste, an der Sie zuverlässig erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt. Verstehen Sie einen Widerspruch zwischen Worten und Körper als Anlass zum Nachfragen, nicht als Urteil.
Was bedeuten verschränkte Arme?
Sie können Distanz, Schutz oder Ablehnung zeigen, aber auch Kälte oder eine bequeme Haltung. Beachten Sie den übrigen Körper, die Stimme und die Situation, bevor Sie urteilen.
Stimmt es, dass 93 Prozent der Kommunikation nonverbal sind?
Nein. Die Zahlen der 7-38-55-Regel stammen aus zwei Studien von 1967 zu Gefühlen und Einstellungen, und Mehrabian selbst widerspricht der Verallgemeinerung auf jede Kommunikation.
Bedeuten Gesten überall dasselbe?
Nein. Blickkontakt, Gesten und Abstand werden in Kulturen unterschiedlich gelesen, sodass dasselbe Signal an einem Ort freundlich und an einem anderen unhöflich wirken kann.
Wie kann ich meine eigene Körpersprache verbessern?
Holen Sie sich Rückmeldungen, nehmen Sie sich auf, halten Sie sich aufrecht, lehnen Sie sich beim Zuhören leicht nach vorn und lassen Sie Ihren Ausdruck zu Ihren Worten passen. Kleine, natürliche Änderungen wirken besser als ein starres Schema.



