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Empathie lernen: 7 Übungen für mehr Einfühlung

Selbsthilfe

Books Go Team · Veröffentlicht am · 8 Min. Lesezeit

Empathie lernen ist möglich, zumindest zu einem guten Teil: Wer sich in andere hineinversetzen will, kann dafür Gewohnheiten üben, vor allem zuhören, nachfragen und den Blickwinkel wechseln. Fehlende Empathie zeigt sich meist nicht in großen Szenen, sondern in kleinen Momenten, in denen jemand etwas Persönliches erzählt und einen schnellen Ratschlag, einen Witz oder ein Achselzucken zurückbekommt. Hier lesen Sie, woran Sie das erkennen, was dahinterstecken kann und mit welchen sieben Übungen Sie Ihr Einfühlungsvermögen im Alltag stärken.

Kurz gesagt:

  • Empathie ist ein Spektrum, kein Ja oder Nein.
  • Anzeichen: Gefühle bewerten, unpassend scherzen, vorschnell raten.
  • Stress, Erschöpfung und wenig Übung können Empathie dämpfen.
  • Besonders gut trainierbar ist der Perspektivenwechsel.
  • Leidet jemand deutlich darunter, sprechen Sie mit einer Fachperson.
Empathie lernen: 7 Übungen für mehr Einfühlung
In diesem Artikel · 8 Min. Lesezeit
  1. Zwei Facetten: kognitive und affektive Empathie
  2. Anzeichen für fehlende Empathie
  3. Was dahinterstecken kann
  4. Empathie lernen: 7 Übungen für den Alltag
  5. Empathie im Gespräch: Antworten, die abschneiden, und Antworten, die verbinden
  6. Ein Wochenplan für mehr Einfühlungsvermögen
  7. Was das Buch dazu beiträgt
  8. Wann Sie sich Hilfe holen sollten
  9. Fragen zu fehlender Empathie
  10. Quellen

Unter Empathie versteht man laut stellenmarkt.de, sich in eine andere Person hineinzuversetzen, ihre Empfindungen zu verstehen und ihr zugewandt zu begegnen (stellenmarkt.de, Juli 2024). Wenn jemand „keine Empathie“ zeigt, heißt das im Alltag häufig nur: In diesem Moment, bei diesem Menschen, ist er nicht eingestimmt. Manchmal sind das Sie selbst, und dann lohnt es sich zu wissen, was sich ändern lässt.

Empathie lernen: vier Schritte, wahrnehmen, hineinversetzen, nachfragen, antworten
Empathie lernen: vier Schritte, wahrnehmen, hineinversetzen, nachfragen, antworten

Zwei Facetten: kognitive und affektive Empathie

Die Forschung unterscheidet zwei Seiten. Laut einem Artikel in Spektrum der Wissenschaft (Dezember 2024) meint kognitive Empathie, die Perspektive eines anderen einzunehmen und zu verstehen, wie er sich fühlt; affektive Empathie bedeutet, die Gefühle anderer mitzuempfinden (Spektrum.de). Der Artikel berichtet außerdem, die kognitive Seite lasse sich laut Studien gut verbessern, die affektive gelte als deutlich schwerer veränderbar. Der Psychologe Marcus Roth (Universität Duisburg-Essen) wird mit dem Satz zitiert: „Man kann sich nicht einfach dafür entscheiden, mitzuleiden.“

Das ist eine gute Nachricht für den Alltag: Sie können nicht auf Knopfdruck Mitgefühl erzeugen, aber Sie können üben, genauer hinzuschauen, nachzufragen und sich die Sicht des anderen vorzustellen. Genau darauf zielen die Übungen weiter unten.

Anzeichen für fehlende Empathie

Kein einzelnes Anzeichen beweist etwas. Das Portal Psych Central (auf Englisch, Stand September 2024) weist selbst darauf hin, dass solche Signale nicht zwingend bedeuten, dass jemandem Empathie fehlt (Psych Central). Wenn mehrere davon aber immer wieder auftreten, lohnt es sich, hinzuschauen:

  • Gefühle bewerten oder kritisieren. „Du übertreibst“, „Du bist zu empfindlich.“
  • Das Erzählte kleinreden. Das Thema wechseln oder vergleichen: „Das ist doch nichts, hör mal, was mir passiert ist.“
  • Scherzen oder gleichgültig wirken, kurz nachdem jemand etwas Trauriges gesagt hat.
  • Ratschläge, bevor man verstanden hat. Die Lösung kommt in den ersten zehn Sekunden.
  • Die Wirkung der eigenen Worte nicht bemerken. Das Gegenüber verstummt, und man fragt nicht nach.
  • Häufige Reibung in Beziehungen, auf beiden Seiten mit dem Gefühl: „Mich versteht keiner.“

Ein Satz für alle, die sich in dieser Liste wiedererkennen: Das ist kein Urteil. Dass Sie es lesen und etwas ändern möchten, ist bereits Aufmerksamkeit für andere.

Was dahinterstecken kann

Psych Central nennt mehrere Faktoren, die Empathie dämpfen können: wenig vorgelebte Empathie in der Kindheit, wenig Gelegenheit zum Üben, anhaltender Stress oder Burnout, Vermeidung von Gefühlen und eine geringe emotionale Intelligenz. Auch bestimmte psychische Erkrankungen und neurologische Besonderheiten können beeinflussen, wie jemand Empathie erlebt oder zeigt. Wir stellen hier keine Diagnosen: Ein Etikett wie „Narzisst“ lässt sich aus ein paar Gesprächen nicht vergeben, und es hilft Ihnen auch nicht bei der Frage, was Sie als Nächstes sagen.

Nützlicher ist der alltägliche Teil der Liste. Wer erschöpft, überlastet oder gewohnt ist, eigene Gefühle zu verbergen, hat weniger Platz für die Gefühle anderer. Dann bringen oft schon kleine Änderungen bei Pausen, Tempo und Gesprächsgewohnheiten spürbar etwas.

Empathie lernen: 7 Übungen für den Alltag

Empathietraining ist gut untersucht. Eine Metaanalyse von 18 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1.018 Teilnehmenden fand einen mittleren Effekt des Trainings auf die Empathie (Teding van Berkhout und Malouff, Journal of Counseling Psychology, 2016); die Autoren schließen, dass Empathietraining tendenziell wirksam ist (Eintrag der University of New England). Welche Übung bei Ihnen am besten wirkt, sagt das nicht. Verstehen Sie die Liste also als Anregungen zum Ausprobieren, nicht als Programm, das bei allen gleich wirkt.

  1. Erst eine Minute lang zuhören. Keine Lösung anbieten. Wie das gelingt, erklärt unser Ratgeber zum aktiven Zuhören: Paraphrasieren, offene Fragen stellen, zusammenfassen.
  2. Gefühle als Vermutung benennen. „Ich habe den Eindruck, das war frustrierend. Stimmt das?“ So können Sie Gefühle zeigen, ohne dem anderen etwas zu unterstellen.
  3. Neugierig auf die Welt des anderen sein. Fragen Sie „Wie war das für Sie?“ statt zu raten. Auch unser Buch empfiehlt, die eigene Sicht nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln und eigene Vorurteile zu hinterfragen.
  4. Andere so behandeln, wie sie behandelt werden möchten. Nicht, wie Sie es sich wünschen würden. Im Zweifel: „Möchten Sie Ideen hören, oder soll ich erst einmal zuhören?“
  5. Auf Körperhaltung, Blick und Stimmlage achten. Stellenmarkt.de rät, diese Signale als erste Orientierung zu nutzen, sich aber nicht zu sehr darauf zu verlassen. Mehr dazu in unserem Artikel zur Körpersprache.
  6. Den Perspektivwechsel üben. Fragen Sie sich: Wie würde ich mich an seiner Stelle fühlen? Schließen Sie dabei nicht vorschnell von sich auf andere, denn die Reaktion des Gegenübers muss nicht Ihre sein.
  7. Anders Denkende anhören, ohne zu debattieren. Jamil Zaki, Psychologieprofessor an der Stanford University, nennt in seinen fünf Übungen unter anderem: Verstehen heißt nicht Dulden. Man kann eine Ansicht ablehnen, ohne die Person abzulehnen (finews.ch, 2021).

Zakis weitere Übungen sind ebenfalls alltagstauglich: mit sich selbst so geduldig sein wie mit Freunden, auch bei Müdigkeit eine kleine Nettigkeit erweisen und die Empathie anderer ausdrücklich würdigen.

Ein Hinweis zur Vorsicht: Stellenmarkt.de rät zu einer gesunden Distanz. Zu starke Identifikation kann dazu führen, dass fremde Probleme zu den eigenen werden. Empathie heißt nicht, alles mitzutragen.

Empathie im Gespräch: Antworten, die abschneiden, und Antworten, die verbinden

Das sagt der andere … Antwort, die abschneidet Empathische Antwort
„Ich bin erschöpft, die Arbeit ist zu viel.“ „Alle sind müde. Reiß dich zusammen.“ „Das klingt schwer. Was belastet dich am meisten?“
„Ich bin nervös wegen morgen.“ „Dafür gibt es keinen Grund.“ „Dass du nervös bist, kann ich verstehen. Was würde dir heute Abend helfen?“
„Meine Freundin hat meinen Geburtstag vergessen.“ „Ist doch nur ein Geburtstag.“ „Das hat bestimmt wehgetan. Hast du daran gedacht, es ihr zu sagen?“
„Ich habe bei der Arbeit einen Fehler gemacht.“ „Hab ich dir ja gesagt.“ „Das ist ein schwerer Moment. Möchtest du darüber reden?“

Bei jeder empathischen Antwort kommt zuerst das Verstehen, dann die Frage. Beachten Sie auch: Keine sagt „Ich weiß genau, wie du dich fühlst.“ Das wissen Sie nicht, und der andere weiß es meistens.

Empathie lernen: Antworten, die abschneiden, und Antworten, die verbinden
Empathie lernen: Antworten, die abschneiden, und Antworten, die verbinden

Ein Wochenplan für mehr Einfühlungsvermögen

Wählen Sie jeden Tag eine Übung und wenden Sie sie in einem echten Gespräch an. Fünf bis zehn Minuten genügen.

Tag Übung
1 Eine Minute zuhören, ohne Ratschlag.
2 Eine offene Frage stellen: „Wie war das für Sie?“
3 Ein Gefühl als Vermutung benennen: „Ich habe den Eindruck …“
4 Jemanden fragen, wie er am liebsten unterstützt wird.
5 Etwas Gemeinsames mit einem ganz anderen Menschen finden.
6 Zehn Seiten Roman lesen und notieren, was eine Figur fühlt.
7 Rückblick: Welche Antwort hat das Gespräch am meisten geöffnet?

Läuft ein Tag schlecht, wiederholen Sie ihn am nächsten. Ziel ist nicht, perfekt empathisch zu sein, sondern öfter hinzusehen als zuvor.

Was das Buch dazu beiträgt

Empathie ist nur ein Teil eines breiteren Handbuchs zur Kommunikation, Ausdrucksweise verbessern und Wortschatz erweitern von Berthold Wegener, das auf Deutsch erhältlich ist. Kapitel 12 heißt „Zuhören, Durchsetzungsvermögen und Einfühlungsvermögen“ und enthält 15 Tipps zur Empathie. Dazu gehören: Ihre Sicht der Welt ist nicht die Wirklichkeit, und Vorurteile dürfen Sie hinterfragen; seien Sie neugierig und hören Sie mehr zu, als Sie reden; behandeln Sie andere so, wie sie behandelt werden möchten; machen Sie ehrliche Komplimente, zeigen Sie sich verletzlich, suchen Sie Gemeinsamkeiten und verzichten Sie auf ungefragte Ratschläge.

Es ist kein klinisches Buch und behandelt keine Störungen. Es ist ein allgemeines Handbuch zum Sprechen und zum Umgang mit Menschen, mit Kapiteln zu Körpersprache, Überzeugen, Verhandeln und Reden vor Publikum. Das Kapitel zur Empathie können Sie deshalb für sich lesen und den Rest später.

Weitere praktische Ratgeber finden Sie im Books-Go-Blog und auf der Startseite von Books Go Publications.

Wann Sie sich Hilfe holen sollten

Empathie zu üben gehört zur Alltagskommunikation und ist keine Therapie. Wenn fehlende Empathie echten Schaden anrichtet, etwa durch wiederholte Konflikte, die Sie nicht lösen können, eine Beziehung, in der jemand verletzt oder kontrolliert wird, oder Leidensdruck wegen der eigenen emotionalen Taubheit, sprechen Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson. In einer Krise oder bei Sorge um die Sicherheit eines Menschen finden Sie Hilfetelefone im internationalen Verzeichnis Find a Helpline.

Fragen zu fehlender Empathie

Kann man Empathie lernen?

Zu einem guten Teil ja. Laut Spektrum der Wissenschaft lässt sich die kognitive Empathie, also der Perspektivwechsel, gut verbessern, die affektive ist schwerer veränderbar. Eine Metaanalyse von Studien kam zu dem Schluss, dass Empathietraining tendenziell wirksam ist; die Ergebnisse unterscheiden sich von Mensch zu Mensch.

Woran erkenne ich fehlende Empathie?

Typisch sind das Bewerten oder Kleinreden von Gefühlen, Scherze in unpassenden Momenten, sehr schnelle Ratschläge und das Nicht-Bemerken der Wirkung eigener Worte. Ein einzelnes Anzeichen sagt wenig, entscheidend ist das wiederkehrende Muster.

Was ist der Unterschied zwischen kognitiver und affektiver Empathie?

Kognitive Empathie heißt, die Perspektive des anderen zu verstehen. Affektive Empathie heißt, seine Gefühle mitzuempfinden. Sie können das eine ohne das andere erleben.

Ist fehlende Empathie eine psychische Erkrankung?

Nicht an sich. Geringe Empathie kann mit Stress, Lebenserfahrungen oder bestimmten Erkrankungen zusammenhängen, aber das kann nur eine Fachperson beurteilen. Diagnostizieren Sie andere Menschen nicht aus der Ferne.

Wie gehe ich mit einem Menschen um, der wenig Empathie zeigt?

Sagen Sie klar, was Sie brauchen („Ich möchte, dass du erst zuhörst“), halten Sie Bitten kurz und ziehen Sie eine Grenze, wenn Sie verletzt werden. Bei Gewalt, Kontrolle oder Angst holen Sie sich Unterstützung bei einer Fachperson oder einem Hilfetelefon.

Hilft Achtsamkeit, empathischer zu werden?

Möglicherweise. Laut Spektrum deutet eine Übersichtsarbeit auf positive Effekte hin, die Studienqualität sei aber oft schwach; Loving-Kindness-Meditation kann das Einfühlungsvermögen steigern, verstärkt aber teilweise Schuldgefühle.

Quellen