Gute Übungen für Kinder mit ADHS sind kurz, spielerisch und mit Bewegung verbunden: Sinnesspiele und Geschichten mit Überraschungsfragen für die Konzentration, Stopptanz und die Ampel-Methode für die Impulskontrolle, Balancier- und Parcoursspiele für den Bewegungsdrang sowie Atemübungen und eine Ruheecke für starke Gefühle. Am besten wirken sie in Einheiten von wenigen Minuten, mit klaren Regeln und viel ehrlichem Lob.
Kurz gesagt:
- Wählen Sie zwei oder drei Spiele, die zu Ihrem Kind passen.
- Üben Sie täglich ein paar Minuten.
- Bauen Sie Bewegungspausen ein.
- Loben Sie jeden kleinen Fortschritt.
- Die Spiele ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Begleitung.

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Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind laut dem Gesundheitsportal gesund.bund.de besonders unaufmerksam, impulsiv oder sehr aktiv, und zwar deutlich stärker als Gleichaltrige. Zeigt ein Kind vor allem Unaufmerksamkeit ohne Hyperaktivität, spricht man von ADS. Das Portal nennt eine Größenordnung: Bei etwa 5 Prozent der Kinder wird die Diagnose ADHS gestellt (gesund.bund.de, Stand 2022). Es betont zugleich, dass nicht jedes unruhige Kind ADHS hat und dass Routinen und klare Regeln vielen Familien den Alltag erleichtern.
Warum Spiele und Übungen bei ADHS helfen können
Kinder mit ADHS lernen oft leichter, wenn etwas Spaß macht, schnell eine Rückmeldung bringt und den Körper einbezieht. Spielerische Übungen für Kinder mit ADHS bieten genau das: Die Regeln sind klar, die Aufgabe ist überschaubar, und das Kind erlebt, dass es sich für eine kurze Zeit konzentrieren, warten oder ruhig werden kann. Solche Erfolgserlebnisse sind wertvoll, weil viele dieser Kinder im Alltag häufig ermahnt werden.
Das Infoportal ADHS-Info des zentralen adhs-netzes beschreibt, wie Familien leicht in einen Kreislauf aus Aufforderung, Wiederholung, Drohung und Streit geraten. Als Gegenmittel empfiehlt es unter anderem, die positive Beziehung zum Kind bewusst zu stärken, wenige klare Regeln aufzustellen und das Kind zu loben, wenn es etwas gut macht. Gemeinsame Spielzeit ist dafür ein idealer Rahmen: Sie üben eine Fähigkeit und erleben gleichzeitig etwas Angenehmes miteinander.
Auch Bewegung spielt eine Rolle. Der Selbsthilfeverband ADHS Deutschland e.V. berichtet über eine Studie der Universität Regensburg, in der sportliche Aktivität die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung von Kindern mit ADHS verbessern konnte, unabhängig von der Sportart.
Übungen für Kinder mit ADHS: 10 Ideen nach Bereichen
Die folgenden Ideen orientieren sich an der Art von Spielen, die Magda Pabst in ihrem Buch beschreibt. Sie brauchen kaum Material und lassen sich an das Alter Ihres Kindes anpassen. Nicht jede Übung passt zu jedem Kind: Probieren Sie aus, beobachten Sie und behalten Sie, was funktioniert.
Konzentration und Aufmerksamkeit
- Das Sinnesspiel: Legen Sie einen Gegenstand auf den Tisch, etwa einen Apfel, eine Muschel oder einen Tannenzapfen. Ihr Kind beschreibt ihn nacheinander mit allen Sinnen: Wie sieht er aus, wie fühlt er sich an, wie riecht er, macht er ein Geräusch? Jede genaue Beobachtung bekommt ein Lob.
- Märchen mit Überraschungsfragen: Lesen Sie eine kurze Geschichte vor und halten Sie unerwartet an: „Welche Farbe hatte der Mantel?“ oder „Wie viele Brüder hatte der Müller?“ Ihr Kind lernt so, beim Zuhören dranzubleiben, und die Spannung hält die Aufmerksamkeit wach.
- Das Timer-Spiel: Für Hausaufgaben stellen Sie einen gut sichtbaren Timer auf wenige Minuten. Bis er klingelt, wird konzentriert gearbeitet, danach folgt eine kurze Pause. Mit der Zeit dürfen die Arbeitsblöcke etwas länger werden.
Impulskontrolle
- Stopptanz: Musik an, alle tanzen. Sobald die Musik stoppt, erstarren alle wie Statuen. Das Spiel übt auf fröhliche Weise, eine Bewegung bewusst anzuhalten, also genau die Bremse, die im Alltag oft fehlt.
- Die Ampel-Methode: Rot heißt anhalten und tief durchatmen, Gelb heißt überlegen, was jetzt sinnvoll ist, Grün heißt handeln. Üben Sie die Ampel zuerst im Spiel, zum Beispiel mit farbigen Karten, damit Ihr Kind sie in einer echten Streitsituation abrufen kann.
- Das stille Labyrinth: Kleben Sie mit Malerkrepp ein einfaches Labyrinth auf den Boden. Ihr Kind geht es auf Zehenspitzen ab, ohne ein Geräusch zu machen. Langsamkeit und Kontrolle werden hier zum Ziel des Spiels.
Bewegung
- Das Seiltänzer-Spiel: Eine gerade Klebebandlinie oder ein flaches Brett wird zum Hochseil. Ihr Kind balanciert darüber, erst vorwärts, später rückwärts oder mit einem Sandsäckchen auf dem Kopf. Balancieren verlangt Körperbeherrschung und volle Aufmerksamkeit zugleich.
- Der Mini-Parcours: Kissen, Stühle und ein Seil ergeben im Wohnzimmer oder im Garten einen kleinen Hindernislauf. Ihr Kind kann versuchen, die eigene Zeit zu verbessern. So wird überschüssige Energie zu einer Herausforderung, die Spaß macht.
Gefühle und Entspannung
- Ballon-Atmung: Ihr Kind stellt sich vor, im Bauch einen Luftballon aufzublasen. Es atmet langsam ein, während Sie bis vier zählen, und noch langsamer aus, während Sie bis sechs zählen. Ein paar Atemzüge reichen oft, um nach einem Wutausbruch wieder zur Ruhe zu kommen.
- Die Ruheecke mit Gefühlstagebuch: Richten Sie gemeinsam eine gemütliche Ecke mit Kissen, Kuscheltier und Stiften ein. Dorthin darf Ihr Kind sich zurückziehen, wenn ihm alles zu viel wird. Ältere Kinder können in einem kleinen Heft malen oder aufschreiben, was sie gerade fühlen.
| Übung | Trainiert vor allem | Dauer | Material |
|---|---|---|---|
| Sinnesspiel | Konzentration | 3–5 Minuten | ein Alltagsgegenstand |
| Märchen mit Fragen | Zuhören | 5–10 Minuten | ein Bilderbuch |
| Stopptanz | Impulskontrolle | 5 Minuten | Musik |
| Ampel-Methode | Impulskontrolle | wenige Sekunden | drei farbige Karten |
| Seiltänzer-Spiel | Bewegung, Körpergefühl | 5 Minuten | Klebeband |
| Ballon-Atmung | Gefühle regulieren | 1–2 Minuten | keines |
So klappen die Übungen zu Hause
Auch die besten Übungen für Kinder mit ADHS bringen wenig, wenn sie zur lästigen Pflicht werden. Diese Grundsätze helfen, damit das Üben im Alltag gelingt:
- Kurze Einheiten: Lieber täglich fünf Minuten als einmal pro Woche eine halbe Stunde. Hören Sie auf, solange es noch Spaß macht.
- Bewegungspausen: Planen Sie zwischen Hausaufgaben und ruhigen Spielen kurze aktive Pausen von etwa fünf bis zehn Minuten ein, zum Beispiel Hampelmänner, Strecken oder eine Runde um das Haus.
- Sofort und konkret loben: Statt eines allgemeinen „Gut gemacht“ wirkt ein genaues Lob stärker: „Du bist ganz leise durch das Labyrinth gegangen, obwohl es schwer war.“ Auch ein Lächeln oder ein Nicken zählt.
- Ihr Kind mitentscheiden lassen: Wenn Ihr Kind das Spiel, die Musik oder die Timer-Zeit mit aussuchen darf, macht es eher mit.
- Feste Zeiten: Ein wiederkehrender Platz im Tagesablauf, etwa nach dem Mittagessen, macht die Übungen zur Gewohnheit.
- An sich selbst denken: Kinder mit ADHS fordern viel Kraft. Wechseln Sie sich, wenn möglich, mit dem Partner oder den Großeltern ab und erwarten Sie von sich keine Perfektion.
Wie viel Bewegung ist überhaupt sinnvoll? Laut den Bewegungsempfehlungen, die das Elternportal kindergesundheit-info.de zusammenfasst (Stand 2026), sollten sich Kinder von 4 bis 6 Jahren täglich drei Stunden und mehr bewegen, Kinder und Jugendliche von 7 bis 18 Jahren mindestens anderthalb Stunden. Bewegungsspiele zu Hause sind also kein Zusatzprogramm, sondern Teil eines gesunden Tages.
Für Lehrkräfte gilt Ähnliches: Viele der Spiele, etwa Stopptanz, die Stille-Minute (alle sind gemeinsam eine Minute lang ganz leise) oder kurze Bewegungspausen zwischen zwei Aufgaben, lassen sich auch in der Klasse einsetzen. Wenn Eltern und Schule dieselben Signale verwenden, zum Beispiel die Ampel, findet sich das Kind leichter zurecht.
Mehr Ideen: das Buch von Magda Pabst
Wenn Sie mehr Abwechslung suchen, finden Sie in „100 Wege zur Unterstützung von Kindern mit ADHS und ADS“ von Magda Pabst hundert Spiele, Übungen und Strategien für Kinder von etwa 3 bis 12 Jahren. Sie sind in Bereiche mit je zehn Ideen gegliedert: schulisches Lernen, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Hyperaktivität und Impulsivität, emotionale Unterstützung, gesunder Lebensstil, Achtsamkeit, Medienzeit, soziale Kompetenzen und Selbstwertgefühl. Jede Idee hat eine kurze Beschreibung und praktische Tipps. Das Buch richtet sich an Eltern, aber auch an Lehrkräfte und alle, die mit Kindergruppen arbeiten. Es ist kein Diagnoseinstrument und ersetzt keine Behandlung, sondern eine Sammlung, aus der Sie auswählen und anpassen, was zu Ihrem Kind passt.
Weitere Ratgeber aus unserem Verlag finden Sie auf der Startseite von Books Go Publications und im Books Go Blog.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Übungen und Spiele sind eine gute Ergänzung, aber sie ersetzen keine Diagnose und keine Behandlung. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, wenn:
- Ihr Kind über längere Zeit deutlich unruhiger, unaufmerksamer oder impulsiver ist als Gleichaltrige,
- die Schwierigkeiten in mehreren Bereichen auftreten, etwa zu Hause, in der Kita oder Schule und mit Freunden,
- Lernen, Freundschaften oder das Familienleben spürbar darunter leiden,
- Ihr Kind sehr traurig, ängstlich oder schnell verzweifelt wirkt,
- Sie selbst an Ihre Grenzen kommen.
Nach Angaben von gesund.bund.de stellen Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die Diagnose. Dabei werden auch andere mögliche Ursachen geprüft, zum Beispiel Schlafprobleme, Seh- oder Hörprobleme. Ob neben Elternberatung, Elterntraining oder Verhaltenstherapie auch Medikamente infrage kommen, entscheiden Fachleute gemeinsam mit der Familie. Die Übungen für Kinder mit ADHS aus diesem Artikel können eine solche Begleitung im Alltag unterstützen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter eignen sich Übungen für Kinder mit ADHS?
Einfache Spiele wie Stopptanz, Ballon-Atmung oder das Sinnesspiel funktionieren oft schon im Kindergartenalter, etwa ab drei Jahren. Für Schulkinder bis etwa zwölf Jahre lassen sich dieselben Ideen schwieriger gestalten, zum Beispiel mit längeren Timer-Zeiten oder kniffligeren Fragen. Entscheidend ist, dass die Aufgabe zum Entwicklungsstand des Kindes passt.
Wie lange sollte eine Übungseinheit dauern?
Für die meisten Kinder mit ADHS sind wenige Minuten am Anfang genug, oft drei bis zehn. Besser ist es, kurz und regelmäßig zu üben und aufzuhören, solange das Kind noch Freude daran hat. Die Dauer kann mit der Zeit langsam steigen.
Helfen diese Spiele auch bei ADS ohne Hyperaktivität?
Ja, viele Konzentrationsspiele wie das Sinnesspiel, Märchen mit Überraschungsfragen oder das Timer-Spiel passen gut zu Kindern mit ADS. Bei eher stillen, verträumten Kindern stehen Aufmerksamkeit und Organisation im Vordergrund, weniger die Impulskontrolle. Bewegungspausen sind trotzdem für alle Kinder sinnvoll.
Können Übungen eine Therapie oder Medikamente ersetzen?
Nein, Spiele und Übungen ersetzen keine ärztliche Diagnose und keine Behandlung. Sie können den Alltag entlasten, Erfolgserlebnisse schaffen und die Beziehung zwischen Eltern und Kind stärken. Welche Behandlung sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder einer Fachpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Was tun, wenn das Kind keine Lust auf die Übungen hat?
Lassen Sie das Kind zwischen zwei oder drei Spielen wählen und verpacken Sie die Übung in eine kleine Geschichte oder einen Wettbewerb mit sich selbst. Kurze Einheiten, ein festes Ritual und ehrliches Lob machen das Mitmachen leichter. An schwierigen Tagen darf eine Übung auch einmal ausfallen.
Eignen sich die Spiele auch für Schule und Kita?
Viele Ideen lassen sich gut in der Gruppe umsetzen, etwa Stopptanz, die Stille-Minute oder kurze Bewegungspausen zwischen zwei Aufgaben. Hilfreich ist es, wenn Lehrkräfte und Eltern sich absprechen und dieselben Signale nutzen, zum Beispiel die Ampel-Methode. So erlebt das Kind an beiden Orten ähnliche Regeln.
Quellen
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Therapeutin, eines Therapeuten oder einer anderen Fachperson.



