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Stimmungsschwankungen Pubertät: Was normal ist, was hilft

Teenager

· Veröffentlicht am · 10 Min. Lesezeit

Wenn Sie sich fragen, ob die Stimmungsschwankungen Pubertät bei Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn normal sind, lautet die Antwort meistens: ja. Ein Auf und Ab der Launen gehört zur Pubertät und hat mit Hormonen, einem Gehirn im Umbau, zu wenig Schlaf und viel sozialem Druck zu tun. Entscheidend ist weniger, wie laut die Stimmung ist, sondern wie lange sie anhält, wie tief sie geht und ob sie Schule, Freundschaften und Familienleben stört. Ruhe bewahren, zuerst zuhören und ein paar klare Regeln helfen in den meisten Familien; ein Arzt oder eine Therapeutin ist sinnvoll, wenn gedrückte oder gereizte Stimmung über Wochen anhält.

Kurz gesagt:

  • Stimmungsschwankungen sind in der Pubertät häufig und lassen mit dem Alter meist nach.
  • Hormone, Gehirnumbau, Schlafmangel und Stress wirken zusammen.
  • Bleiben Sie ruhig, hören Sie zuerst zu und sprechen Sie später weiter.
  • Achten Sie auf Dauer, Stärke und Folgen: Wochen der Niedergeschlagenheit brauchen Hilfe.
  • Schlaf, feste Abläufe und wenige klare Regeln beruhigen viele Tage.
Stimmungsschwankungen Pubertät: Was normal ist, was hilft
In diesem Artikel · 10 Min. Lesezeit
  1. Warum es Stimmungsschwankungen Pubertät gibt
  2. Was ist normal, worauf sollten Sie genauer schauen?
  3. So reagieren Sie auf Stimmungsschwankungen: 6 Schritte
  4. Ein Zwei-Wochen-Check
  5. Wo das Buch passt
  6. Wann Sie Fachleute hinzuziehen sollten
  7. Für wen es sich eignet
  8. Wichtige Begriffe
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

In der Pubertät verändern sich Körper, Gefühle, Freundeskreis und Alltag gleichzeitig. Die Versicherung Helsana beschreibt die Ursache als „eine Mischung aus hormonellen, körperlichen, aber auch sozialen und emotionalen Veränderungen“ (Helsana). Ein Teenager kann deshalb beim Frühstück gut gelaunt sein und eine Stunde später von Wut oder Traurigkeit überrollt werden, ohne sagen zu können, warum. Das ist für ihn oder sie anstrengend und für Sie auch. Es hilft, sich zu erinnern: Der Sturm gilt meist nicht Ihnen persönlich.

Stimmungsschwankungen Pubertät: vier Schritte von der hitzigen Situation zum ruhigen Gespräch
Stimmungsschwankungen Pubertät: vier Schritte für eine ruhige Reaktion

Warum es Stimmungsschwankungen Pubertät gibt

Es gibt selten nur eine Ursache. Die üblichen Zutaten:

  • Hormone. Laut Gelbe Seiten gerät durch die hormonellen Einflüsse eine Zeitlang alles etwas aus dem Gleichgewicht, denn die Hormone steuern auch die Gefühlswelt (Gelbe Seiten).
  • Ein Gehirn im Umbau. Das Portal gesundheit.gv.at nennt den Gehirnumbau, der etwa die Hälfte der Nervenverbindungen betrifft, als vermutete Ursache der Stimmungsschwankungen (gesundheit.gv.at, Stand Mai 2024).
  • Schlaf. Helsana empfiehlt feste Schlafzeiten, Geräte etwa eine Stunde vor dem Schlafen wegzulegen und abends auf Koffein zu verzichten. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Social-Media-Regeln für die Familie.
  • Identität und Abgrenzung. Jugendliche suchen ihren Platz und wollen sich von den Eltern abgrenzen, was oft Konflikte auslöst (Gelbe Seiten). Dazu kommen Schulstress und Gruppenzwang.
  • Der veränderte Körper. Periode, Wachstumsschübe, ein neues Körpergefühl: all das kann verunsichern. Unser Erste-Periode-Set zeigt, wie ein bisschen Vorbereitung Stress nimmt.

Was ist normal, worauf sollten Sie genauer schauen?

Eine Studie in der Fachzeitschrift Child Development begleitete 474 Jugendliche von 13 bis 18 Jahren, die täglich ihre Stimmung zu Glück, Wut, Traurigkeit und Angst bewerteten. Die Schwankungen waren in der frühen Jugend am stärksten und wurden mit dem Älterwerden ruhiger. Mädchen berichteten stärkere Schwankungen bei Freude und Traurigkeit als Jungen, doch bei beiden beruhigte sich die Stimmung ähnlich schnell. Angst verlief anders: Sie stieg früh, sank und stieg gegen Ende der Teenagerjahre wieder an (Maciejewski und Kollegen, Child Development, 2015; Zusammenfassung bei NPR, auf Englisch). Der Leiter der Studie riet Eltern, sich vor allem dann Sorgen zu machen, wenn die Schwankungen nicht nachlassen, zum Beispiel bei einem 16- oder 17-Jährigen, dessen Stimmung eher stärker wird.

Die Tabelle stellt das übliche Bild den Zeichen gegenüber, die einen genaueren Blick verdienen. Sie ist eine Orientierung, keine Diagnose.

Gehört oft zur Pubertät Genauer hinschauen, wenn...
Schnelle Wechsel im Lauf des Tages, oft mit Müdigkeit, Hunger oder Streit verbunden Die gedrückte oder gereizte Stimmung länger als zwei Wochen anhält
Türenknallen und scharfe Worte, danach Ruhe und manchmal eine Entschuldigung Das Verhalten ändert sich deutlich und passt nicht zu Ihrem Kind
Wunsch nach mehr Privatsphäre und Zeit mit Freunden Rückzug von Freunden, Familie oder früheren Hobbys
Müdigkeit und schlechte Laune an Schultagen Schlaf oder Appetit verändern sich stark und bleiben verändert
Schwankungen, die mit den Jahren seltener werden Schwankungen, die stärker werden oder Schule, Freunde und Familie belasten

Helsana nennt als Warnzeichen anhaltende Niedergeschlagenheit, Essstörungen, Gewichtsverlust, diffuse Ängste und ausgeprägte Lustlosigkeit; sie können auf eine Depression hindeuten. Die Gelben Seiten ergänzen starke Angstgefühle, langanhaltende Traurigkeit, neue Konzentrationsprobleme und häufige Kopf- oder Bauchschmerzen. In solchen Fällen sollten Sie ärztlichen Rat suchen. Normale Stimmungsschwankungen sind nicht mit einer bipolaren Störung zu verwechseln, betont gesundheit.gv.at; ob eine Erkrankung vorliegt, kann nur eine Fachperson beurteilen.

Wie häufig hält eine gedrückte Stimmung so lange an? In der großen Schülerbefragung Youth Risk Behavior Survey der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gaben 40 % der Schülerinnen und Schüler an Highschools an, sich im vergangenen Jahr mindestens zwei Wochen am Stück fast täglich so traurig oder hoffnungslos gefühlt zu haben, dass sie gewohnte Aktivitäten aufgaben. Bei den Mädchen waren es 53 %, bei den Jungen 28 % (CDC, YRBS-Bericht 2013–2023, 2024, auf Englisch). Diese Antworten beschreiben eine schwere Phase, keine Diagnose. Sie zeigen aber, warum die Zwei-Wochen-Grenze zählt und warum es sich lohnt, Mädchen wie Jungen zu fragen, wie es ihnen wirklich geht.

Stimmungsschwankungen Pubertät und anhaltende Traurigkeit: Diagramm für Mädchen und Jungen

So reagieren Sie auf Stimmungsschwankungen: 6 Schritte

  1. Zuerst ruhig bleiben. Bei Wut rät Helsana: Ruhe bewahren und sich nicht auf Streit einlassen. Atmen Sie durch, bevor Sie antworten. Ihre Ruhe überträgt sich, Ihr Stress leider auch.
  2. Den richtigen Moment wählen. Mitten im Ausbruch kommt nichts an. Sagen Sie: „Ich sehe, dass dich das gerade aufwühlt. Wir können gern später reden.“ Greifen Sie das Thema erst wieder auf, wenn sich Ihr Kind beruhigt hat. Ein Spaziergang, ein Snack oder Musik öffnen die Tür oft besser als eine Frage.
  3. Zuhören, bevor Sie lösen. Bei Traurigkeit empfiehlt Helsana, Verständnis zu zeigen, zuzuhören, nicht zu kritisieren und zum Sprechen über Gefühle zu ermutigen. Versuchen Sie „Das klingt wirklich schwer“ statt „Du übertreibst“.
  4. Regeln behalten, Ton mildern. Bei Respektlosigkeit rät Helsana zu klaren, bekannten Regeln und dazu, dem Kind selbst mit Respekt zu begegnen. Gelbe Seiten empfehlen, die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen und auch im Streit fair zu bleiben.
  5. Schlaf und Abläufe schützen. Feste Schlafenszeiten, Geräte eine Stunde vor dem Schlafen weg und ein ruhiger Abend erleichtern den nächsten Morgen.
  6. Die guten Momente bemerken. Heben Sie Leistungen und Bemühungen hervor. Ein einfaches „Wie du das gelöst hast, fand ich stark“ zeigt, dass Sie mehr sehen als die schlechten Tage.

Was Sie sagen können, was besser nicht

Probieren Sie Besser weglassen
„Ich sehe, dass es schwer ist. Willst du reden oder lieber Ruhe?“ „Beruhige dich!“
„Ich bin da, wenn du bereit bist.“ „Du machst ein Drama daraus.“
„Es hat mich getroffen, als die Tür knallte. Reden wir später?“ „Du machst das immer so.“
„Was würde dir jetzt helfen?“ „In deinem Alter habe ich...“

Ich-Botschaften lenken den Blick auf das, was Sie empfinden, statt Ihr Kind anzugreifen, und können ein Gespräch ruhig halten.

Ein Zwei-Wochen-Check

Wenn Sie unsicher sind, notieren Sie zwei Wochen lang ein paar Zeilen: Wie hat Ihr Kind geschlafen, wie war die Stimmung insgesamt und hat sie normale Dinge wie Schule, Freunde oder Essen verhindert? Sie spionieren nicht, Sie sammeln Fakten. Zeigen die meisten Tage eine gedrückte, gereizte oder leere Stimmung oder wird es schlimmer, hilft diese Notiz einer Ärztin oder einem Therapeuten. Auch Streit unter Freunden lässt die Stimmung schwanken: Unser Ratgeber zur toxischen Freundschaft kann ein Gesprächsanlass sein.

In diesem kurzen Video des Gesundheitsverbunds Geisinger erklärt die Beraterin Priscilla Riley, worin sich normale Launen von Jugendlichen und Anzeichen einer Depression unterscheiden und bei welchen Veränderungen Sie nachfragen sollten:

Launen und Depression bei Jugendlichen verstehen (Geisinger) (auf Englisch)

Wo das Buch passt

Das Buch 100 Mysterien über die Pubertät für Mädchen von Magda Pabst richtet sich direkt an das Mädchen, in warmem, ein wenig verspieltem Ton. Neben Stimmungsschwankungen behandelt es Stress und Angst (Organisation, Atmen, weniger Koffein und Bildschirmzeit, mehr Schlaf), den Schlaf selbst, wie man um Hilfe bittet und wie man mit den Eltern in Ich-Botschaften spricht. Außerdem erklärt es einfach, wie sich das Gehirn in der Jugend verändert.

Die Sicht von Magda Pabst

In 100 Mysterien über die Pubertät für Mädchen geht Magda Pabst von einem beruhigenden Punkt aus: Stimmungsschwankungen sind normal, weil sich das Gehirn neu ordnet und die Hormone aktiv sind. Dann gibt sie Mädchen einen kleinen Werkzeugkasten für sich selbst: das Gefühl bemerken und annehmen, ohne sich dafür zu verurteilen, mit jemandem reden, etwas tun, das Freude macht, sich bewegen (ein Spaziergang reicht), hinaus in die Natur gehen und mit Freunden und Familie in Kontakt bleiben. Ihre Feinheit hilft auch Eltern: Zeit allein ist erlaubt und hilft, die eigenen Gefühle zu verstehen, solange daraus kein Rückzug von allen wird. Eine geschlossene Zimmertür ist also nicht automatisch ein Warnsignal, tagelanger Rückzug von allen schon eher.

Books Go Publications hat mehr als 100.000 Exemplare seiner Ratgeber verkauft, vor allem in den USA, Deutschland, Frankreich und Spanien, und jede Sprachausgabe dieses Buches ging durch die Hände einer muttersprachlichen Lektorin oder eines Lektors, damit der warme Ton auch in der Übersetzung erhalten bleibt.

Das ist ein Buch zum Weiterreichen an Ihre Tochter, kein Ersatz für das Gespräch mit ihr, und kein medizinischer Rat. Es stellt keine Diagnosen und sagt deutlich, dass überwältigende Angst oder Niedergeschlagenheit ein Grund ist, eine Therapeutin oder einen Therapeuten aufzusuchen. Einige Kapitel sprechen offen über Sexualität und Beziehungen, vielleicht lesen Sie es daher zuerst selbst.

Wann Sie Fachleute hinzuziehen sollten

Wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin, Ihren Hausarzt oder eine psychotherapeutische Fachperson, wenn:

  • Traurigkeit, Gereiztheit oder Leere länger als zwei Wochen anhalten;
  • Ihr Kind sich von Freunden, Familie oder früheren Hobbys zurückzieht;
  • Schlaf, Appetit oder Schulleistungen sich stark und dauerhaft verändern;
  • Sie Anzeichen von Selbstverletzung, riskantem Verhalten oder Substanzkonsum sehen;
  • Ihr Kind davon spricht, nicht mehr leben zu wollen.

Vertrauen Sie Ihrem Gefühl: Wenn Sie sich sorgen, fragen Sie lieber früh nach. Wenn Sie oder Ihr Kind sofort mit jemandem sprechen möchten, finden Sie über das internationale Verzeichnis findahelpline.com kostenlose Hilfetelefone nach Ländern. Im Notfall rufen Sie sofort den Notruf. Weitere Ratgeber finden Sie im Blog von Books Go Publications, weitere Bücher auf der Startseite von Books Go Publications.

Für wen es sich eignet

Dieser Ratgeber ist für alle gedacht, die mit einem Teenager leben oder arbeiten, dessen Stimmung auf und ab geht.

  • Eltern eines Kindes vor der Pubertät: Lesen Sie ihn, bevor die Stürme beginnen, damit die erste knallende Tür eher erwartet als beunruhigend wirkt.
  • Eltern eines launischen Teenagers: Nutzen Sie die sechs Schritte und den Zwei-Wochen-Check, um ruhig zu bleiben und zu erkennen, wann Fachleute helfen sollten.
  • Jugendliche selbst: Der Abschnitt über die Ursachen zeigt, dass Hormone, Schlaf und ein Gehirn im Umbau hinter vielen Schwankungen stecken.
  • Großeltern, Lehrkräfte und Trainer: Die Sätze zum Ausprobieren und Weglassen funktionieren auch außerhalb der Familie.

Wichtige Begriffe

  • Pubertät: die Jahre, in denen der Körper eines Kindes unter dem Einfluss der Geschlechtshormone erwachsen wird.
  • Hormone: chemische Botenstoffe im Blut, die in der Pubertät auch die Gefühle beeinflussen.
  • Stimmungsschwankung: ein schneller Wechsel von einem Gefühl zum anderen, oft stärker, als die Situation erklärt.
  • Anhaltende Traurigkeit: sich zwei Wochen oder länger fast täglich traurig oder hoffnungslos fühlen, ein Grund für ärztlichen Rat.
  • Depression: eine Erkrankung mit lang anhaltender gedrückter Stimmung oder Interessenverlust, die nur Fachleute feststellen können.
  • Ich-Botschaft: ein Satz, der das eigene Gefühl beschreibt („Es hat mich getroffen, als...“), statt den anderen anzugreifen.

Häufige Fragen

Sind Stimmungsschwankungen in der Pubertät normal?

Ja, sie sind häufig und lassen mit dem Alter meist nach. Hormone, ein sich entwickelndes Gehirn, Stress und Müdigkeit spielen mit. Sorgen sollten Sie sich machen, wenn sie Wochen anhalten, sehr intensiv sind oder Schule, Freundschaften und Familie stören.

Wie lange dauern Stimmungsschwankungen in der Pubertät?

Die Pubertät dauert laut Helsana im Schnitt zwei bis fünf Jahre. Die Schwankungen sind zu Beginn der Jugend am stärksten und werden danach meist ruhiger. Einen genauen Zeitplan gibt es nicht, jedes Kind ist anders.

Warum ist mein Teenager ständig wütend?

Wut ist oft ein Ventil für Stress, Müdigkeit, Druck von Freunden oder Veränderungen im Körper, so Helsana. Ist sie dauerhaft sehr stark oder kommt sie mit Rückzug, Schlafproblemen oder Traurigkeit, sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Wie erkenne ich den Unterschied zu einer Depression?

Achten Sie auf Dauer, Stärke und Folgen. Gedrückte oder gereizte Stimmung über mehr als zwei Wochen, deutliche Verhaltensänderungen und Probleme in Schule, Freundeskreis oder Familie sind Gründe, Fachleute zu fragen. Eine Diagnose stellen nur Ärzte oder Therapeuten.

Was tun mitten im Streit?

Sprechen Sie leise, sagen Sie, dass Sie verstehen wollen, und bieten Sie an, das Gespräch fortzusetzen, wenn Sie beide ruhiger sind. Greifen Sie das Thema später wieder auf.

Haben Mädchen stärkere Stimmungsschwankungen als Jungen?

In der oben genannten Studie berichteten Mädchen stärkere Schwankungen bei Freude und Traurigkeit, doch beide Geschlechter wurden ähnlich schnell ruhiger. Auch Jungen haben Stimmungsschwankungen und verdienen dieselbe Geduld.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Therapeutin, eines Therapeuten oder einer anderen Fachperson.