Die wichtigsten Richtwerte für die Medienzeit nach Alter sind sich im Kern ähnlich: für Babys keine Bildschirme, für Kinder von 2 bis 5 Jahren höchstens etwa eine Stunde am Tag und ab etwa 6 Jahren eine Grenze, die Sie in der Familie gemeinsam festlegen, mit bildschirmfreien Mahlzeiten und ohne Bildschirm in der Stunde vor dem Schlafen. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Organisation ein wenig. Deshalb stellt dieser Ratgeber sie nebeneinander und zeigt dann, wie Sie daraus einen Plan machen, der zu Hause funktioniert.
Kurz gesagt:
- Unter 3 Jahren: am besten keine Bildschirme, außer Videoanrufe mit der Familie.
- Mit 4 und 5 Jahren: höchstens eine halbe Stunde am Tag, möglichst mit Ihnen.
- Mit 6 bis 9 Jahren: bis zu einer Stunde am Tag, gemeinsam vereinbart.
- Mahlzeiten, Schlafzimmer und die Stunde vor dem Schlafen: bildschirmfrei.
- Eine sichtbare Uhr und ein Familienplan helfen mehr als strenge Zahlen.

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Die Richtwerte sind ein Ausgangspunkt, kein Test, den Ihr Kind bestehen muss. Die amerikanische Kinderärzte-Vereinigung (AAP) erklärte 2026, sie wolle über einfache Zeitgrenzen hinausgehen und stattdessen auf Qualität, Kontext und Gespräch achten (AAP HealthyChildren, 2026, auf Englisch). In der Praxis heißt das: Fragen Sie sich an jedem Tag, was Ihr Kind am Bildschirm gemacht hat und was der Bildschirm ersetzt hat. Schlaf, Bewegung, Gespräche und Spiel sind das, was wir schützen wollen.
Medienzeit nach Alter: was Gesundheitsorganisationen empfehlen
Jede Organisation formuliert ihre Empfehlung etwas anders. Die Tabelle stellt die wichtigsten Altersgruppen nebeneinander. Sie ist eine Orientierung für Ihre Familienregeln, keine gesetzliche Grenze.
| Alter | Schau hin! | WHO (2019) | Kanadische Kinderärztegesellschaft (2017) |
|---|---|---|---|
| Unter 1 Jahr | Am besten gar keine Bildschirmzeit (0 bis 3 Jahre) | Bildschirmzeit nicht empfohlen | Nicht empfohlen unter 2 Jahren |
| 1 Jahr | Am besten keine | Sitzende Bildschirmzeit nicht empfohlen | Nicht empfohlen unter 2 Jahren |
| 2 Jahre | Am besten keine | Höchstens 1 Stunde, weniger ist besser | Unter 1 Stunde am Tag (2 bis 5 Jahre) |
| 3 Jahre | Am besten keine, wenn dann sehr dosiert | Höchstens 1 Stunde | Unter 1 Stunde am Tag |
| 4 bis 5 Jahre | Bis zu einer halben Stunde am Tag | Höchstens 1 Stunde (4 Jahre) | Unter 1 Stunde am Tag, keine Bildschirme in der Stunde vor dem Schlafen |
| 6 bis 9 Jahre | Bis zu einer Stunde am Tag | Nicht behandelt (Leitlinie für unter 5-Jährige) | Nicht behandelt (unter 5 Jahren) |
| Ab 10 Jahren | Wochenkontingent: etwa 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag | Nicht behandelt | Nicht behandelt |
Die Initiative Schau hin! empfiehlt für Kinder bis zehn Jahre ein festes tägliches Maß und für ältere Kinder ein wöchentliches Zeitkontingent, etwa zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Die Nutzung digitaler Medien für die Schule wird dabei nicht angerechnet (Schau hin!). Die Leitlinie der WHO bezieht sich auf sitzende Bildschirmzeit, also Videos schauen oder Spiele spielen, bei Kindern unter 5 Jahren (WHO, 2019, auf Englisch). Die Kanadische Kinderärztegesellschaft ergänzt drei hilfreiche Gewohnheiten: altersgerechte, interaktive Programme wählen, dabei sein und möglichst gemeinsam schauen und Bildschirme ausschalten, wenn sie niemand nutzt (Canadian Paediatric Society, 2017, auf Englisch).
Die Zahlen sind Richtwerte, und jedes Kind ist anders. Sie sagen nichts darüber, ob Ihr Kind „zu viel“ oder „genug“ hat, sondern helfen, eine gute Balance zu finden.
Zählt auch die Schule mit?
Die meisten Richtwerte meinen die Freizeit-Bildschirmzeit. Schulaufgaben am Gerät werden meist getrennt betrachtet. Behalten Sie trotzdem die Gesamtzeit im Blick und achten Sie darauf, dass Ihr Kind echte Pausen macht.
Warum das für Aufmerksamkeit und Schlaf wichtig ist
Nach den Leitlinien der AAP von 2026 hängt intensive Bildschirmnutzung allein in den ersten Lebensjahren mit Verzögerungen bei Sprache, Denken, sozialen Fähigkeiten und Feinmotorik, mit gestörtem Schlaf und mehr Verhaltensproblemen zusammen. Bei Schulkindern wird sie mit schlechterem Schlaf, schwächeren Schulleistungen und geringerer Aufmerksamkeitskontrolle in Verbindung gebracht (AAP HealthyChildren, 2026). Das sind Zusammenhänge: Bildschirme gelten nicht als Ursache von ADHS, und viele Kinder, die viel am Bildschirm sind, haben keine Aufmerksamkeitsprobleme. Für ein Kind, das ohnehin unruhig oder leicht ablenkbar ist, können lange Phasen mit schnellen, flackernden Inhalten die Abende aber schwerer machen. Klare Strukturen helfen dann oft.
So senken Sie die Bildschirmzeit zu Hause, Schritt für Schritt
Regeln funktionieren besser, wenn Kinder sie mitgestalten. Gehen Sie über ein paar Wochen in dieser Reihenfolge vor, jeweils einen Schritt.
- Schauen Sie, wie es jetzt ist. Notieren Sie drei Tage lang, wann welche Bildschirme an sind und wofür. Ohne zu urteilen. Viele Familien merken, dass der Fernseher im Hintergrund mehr ausmacht als gedacht.
- Vereinbaren Sie eine Zeit und einen Zeitpunkt. Wählen Sie mit Hilfe der Tabelle eine tägliche Grenze für das Alter Ihres Kindes und legen Sie fest, wann sie gilt, zum Beispiel nach den Hausaufgaben. Schreiben Sie sie gemeinsam auf.
- Machen Sie die Grenze sichtbar. Eine Eieruhr neben dem Bildschirm oder ein Bildplan ist fairer als „noch fünf Minuten“. Kündigen Sie das Ende zwei Minuten vorher an. Auch Schau hin! nennt die Eieruhr als Klassiker.
- Richten Sie bildschirmfreie Zonen ein. Beginnen Sie mit Mahlzeiten und Schlafzimmern. Die AAP schlägt Schlafzimmer und Mahlzeiten vor, vor allem die Stunde vor dem Schlafen. Auch die Kanadische Kinderärztegesellschaft rät, mindestens eine Stunde vor dem Schlafen auf Bildschirme zu verzichten.
- Legen Sie einen Ladeplatz fest. Ein gemeinsamer Ort, zum Beispiel der Flur, an dem alle Geräte über Nacht bleiben. So gilt die Regel für alle, auch für Erwachsene.
- Bieten Sie etwas Anderes an. Ein Verbot ohne Plan lässt eine Lücke. Halten Sie eine kurze Liste mit Alternativen bereit, die Ihr Kind selbst gewählt hat: bauen, malen, draußen mit dem Ball spielen, ein Brettspiel, eine Geschichte.
- Loben Sie das Ausschalten. Ausschalten ist schwer. Ein kurzes Wort der Anerkennung („Du hast aufgehört, als der Wecker geklingelt hat“) wirkt besser als ein Vortrag.
- Prüfen Sie alle paar Wochen. Regeln müssen mit dem Kind mitwachsen.
Ein Beispiel für einen Familien-Medienplan
| Wann | Regel | Stattdessen |
|---|---|---|
| Schulmorgen | Kein Bildschirm vor der Schule | Frühstück, ein kurzer Spaziergang, ein Lied |
| Nach der Schule | Ein fester Zeitraum von 30 bis 60 Minuten, je nach Alter | Erst Snack und Spiel |
| Mahlzeiten | Geräte aus dem Raum, für alle | Von einer schönen Sache des Tages erzählen |
| Die Stunde vor dem Schlafen | Bildschirme aus | Bad, Geschichte, leise Musik |
| Ein Tag pro Woche | Ein bildschirmfreier Vor- oder Nachmittag | Park, Backen, Brettspiel |
Und wenn mein Kind wütend wird?
Das Ausschalten kann große Gefühle auslösen, besonders bei Spielen und Videos, die von selbst weiterlaufen. In der ersten Woche ist Protest normal. Bleiben Sie ruhig, benennen Sie das Gefühl („Es ist schwer aufzuhören, wenn es Spaß macht“), halten Sie an der Regel fest und bieten Sie die nächste Aktivität an. Wenn die Wutausbrüche sehr heftig oder häufig sind, finden Sie in unserem Ratgeber zu Wutanfällen bei Kindern einen Plan in drei Schritten. Eine Ruheecke für Kinder kann danach beim Runterkommen helfen.
Wo ein Buch helfen kann
Regeln aufzustellen ist eins, sie an einem müden Dienstagabend durchzuhalten etwas anderes. 100 Wege zur Unterstützung von Kindern mit ADHS und ADS von Magda Pabst ist ein praktisches Arbeitsbuch für Eltern und Lehrkräfte von Kindern im Alter von etwa 3 bis 12 Jahren. Einer seiner zehn Bereiche widmet sich dem Verringern von Bildschirm-, Medien- und Social-Media-Nutzung, mit zehn Techniken: die Zahl der Geräte im Haus begrenzen, vereinbarte Zeitfenster auf einem sichtbaren Plan, bildschirmfreie Zonen und Tage, Entspannungsrituale ohne Bildschirm, Gespräche über die Wirkung von Medien, alternative Aktivitäten, Lesen und ein Belohnungssystem für das Einhalten der Regeln. Ein weiteres Kapitel empfiehlt, mindestens eine Stunde vor dem Schlafen keine Bildschirme zu nutzen.
Das Buch wurde mit Blick auf ADHS geschrieben, aber die Ideen passen zu den meisten Familien, die ruhigere Bildschirmgewohnheiten wünschen. Es ist ein praktischer Begleiter, kein medizinisches Hilfsmittel. Die Felder auf dieser Seite zeigen die Books-Go-Titel für Kinder.
Ideen für bildschirmfreie Zeit
Eine Grenze lässt sich am leichtesten halten, wenn das Nächste schon bereitsteht. Ein paar schnelle Ideen:
- Bewegungspausen von fünf Minuten zwischen zwei Aufgaben: hüpfen, auf einer Klebebandlinie balancieren, zu einem Lied tanzen.
- Gemeinsam kochen, Ihr Kind misst ab und folgt den Schritten.
- Eine ruhige Ecke mit Büchern, Malsachen und einer Decke.
- Ein Familienspiel, das schnell startklar ist: Karten, Memory, Puzzle.
- Draußen bei einem kurzen Spaziergang, mit einer kleinen Aufgabe, zum Beispiel Vögel oder bestimmte Blätter finden.
Weitere Spielideen finden Sie in unserem Artikel über Übungen für Kinder mit ADHS, die auch für jedes lebhafte Kind taugen. Weitere Ratgeber finden Sie im Books-Go-Blog und auf der Startseite von Books Go Publications.
Wann Sie fachlichen Rat suchen sollten
Sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt Ihres Kindes, wenn:
- Ihr Kind den Alltag ohne Bildschirm nicht bewältigt oder immer wieder sehr belastet reagiert, wenn er ihm genommen wird;
- sich Schlaf, Stimmung, Schule oder Freundschaften deutlich verschlechtert haben und Bildschirme eine Rolle zu spielen scheinen;
- Sie sich über Aufmerksamkeit, Unruhe oder impulsives Verhalten zu Hause und in der Schule über mehrere Monate Sorgen machen;
- Ihr Kind Anzeichen von Angst, gedrückter Stimmung oder Rückzug zeigt;
- Inhalte oder Kontakte im Netz Ihr Kind erschreckt oder aufgewühlt haben.
Um Rat zu fragen ist ein Zeichen von Fürsorge, nicht von Versagen.
Häufige Fragen
Wie viel Medienzeit ist mit 3 Jahren in Ordnung?
Schau hin! empfiehlt für Kinder bis 3 Jahre am besten gar keine Bildschirmzeit. Die WHO und die Kanadische Kinderärztegesellschaft nennen für 3-Jährige höchstens etwa eine Stunde am Tag und sagen, dass weniger besser ist. Wählen Sie langsame, altersgerechte Inhalte und schauen Sie möglichst gemeinsam.
Ist ein wenig Bildschirm für ein Baby in Ordnung?
Die WHO empfiehlt für Babys unter 1 Jahr keine Bildschirmzeit, die Kanadische Kinderärztegesellschaft unter 2 Jahren. Videoanrufe mit der Familie werden meist anders eingeordnet, weil sie echten Austausch bedeuten.
Wie viel Medienzeit ist mit 10 Jahren in Ordnung?
Eine einzige Zahl gibt es nicht. Schau hin! schlägt für Kinder ab 10 Jahren ein Wochenkontingent vor, etwa eine Stunde pro Lebensjahr pro Woche. Ein Plan, den Sie mit Ihrem Kind vereinbart haben und der Schlaf, Hausaufgaben, Bewegung und Freunde schützt, ist nützlicher als eine Zahl allein.
Zählen Lern-Apps mit?
Die Qualität zählt, und die AAP legt den Schwerpunkt auf Inhalt und Kontext. Interaktive, altersgerechte Programme, die Sie gemeinsam nutzen, sind besser als passive Videos. Trotzdem brauchen sie Zeit, die auch für Schlaf, Bewegung und Spiel da sein könnte. Viele Familien zählen sie deshalb mit.
Verursachen Bildschirme ADHS?
Bildschirmnutzung gilt nicht als Ursache von ADHS, aber viel Nutzung kann Aufmerksamkeit und Schlaf bei jedem Kind erschweren, besonders bei Kindern, die ohnehin unruhig sind. Wenn Sie ADHS vermuten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann sollten abends die Bildschirme ausgehen?
Mindestens eine Stunde vor dem Schlafen, so die AAP und die Kanadische Kinderärztegesellschaft. Ersetzen Sie sie durch eine ruhige Routine wie Bad, Geschichte und leise Musik.
Quellen
- Medienzeiten: Feste Bildschirmzeiten für Kinder vereinbaren, Schau hin!
- To grow up healthy, children need to sit less and play more, WHO (2019, auf Englisch)
- Helping Kids Thrive in a Digital World: AAP Policy Explained, HealthyChildren.org, American Academy of Pediatrics (2026, auf Englisch)
- Screen time and young children: a guide for clinicians, Canadian Paediatric Society (2017, auf Englisch)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Therapeutin, eines Therapeuten oder einer anderen Fachperson.



