Lernen mit Kindern gelingt am Nachmittag selten durch clevere Spiele allein, sondern durch eine ruhige, vorhersehbare Routine, der Sie ein wenig Spiel hinzufügen. Eine feste Zeit, ein fester Platz, eine sichtbare Uhr, kurze Pausen und ein bis zwei spielerische Ideen können aus dem täglichen Hausaufgabenkampf etwas machen, womit Ihr Kind ohne Widerstand beginnen kann. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen zuerst die Routine, dann acht spielerische Ideen und schließlich eine Tabelle für die Abende, an denen es trotzdem hakt.
Kurz gesagt:
- Eine feste Zeit, ein ruhiger Platz und bereitliegendes Material tragen das meiste.
- Teilen Sie die Hausaufgaben in kurze Blöcke mit sichtbarer Uhr und Pause.
- Spiel gehört obendrauf: Wettlauf mit der Uhr, Bingo, dem Kuscheltier etwas beibringen.
- Helfen Sie mit Fragen und Hinweisen, nicht indem Sie die Arbeit übernehmen.
- Bleiben Hausaufgaben wochenlang eine Last, sprechen Sie mit Lehrkraft und Kinderarzt.

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Hausaufgaben sollen helfen, Gelerntes zu üben und zu festigen, und sie sollen Kindern beibringen, selbstständig zu arbeiten. Das Merkblatt des Schulpsychologischen Dienstes im Kanton Zug betont, dass es wichtig ist, dass das Kind die Hausaufgaben allein macht: Wenn Eltern oder Geschwister sie erledigen, lernt das Kind nichts, und die Lehrkraft bemerkt nicht, dass es Schwierigkeiten hat (Schulpsychologischer Dienst Zug). Das nimmt viel Druck heraus: „Spaß“ heißt nicht, dass Sie Ihr Kind bei jedem Arbeitsblatt unterhalten müssen.

Lernen mit Kindern: erst die Routine, dann das Spiel
Spiel funktioniert am besten auf einem Fundament, das absichtlich langweilig ist. Gleiche Zeit, gleicher Ort, gleicher erster Handgriff jeden Tag: Ihr Kind muss nichts entscheiden, und genau dort beginnen viele Streitereien. Probieren Sie diese Reihenfolge, ein Schritt nach dem anderen, über etwa zwei Wochen.
- Legen Sie gemeinsam eine feste Zeit fest. Ein Faltblatt eines Schulamts rät, mit dem Kind zu besprechen, wann es am liebsten arbeitet: Es gebe keine feste Regel, aber eine feste Arbeitszeit mache häufige Auseinandersetzungen oft überflüssig, und die Zeit am Morgen vor der Schule sei ungeeignet (Schulamt, Faltblatt „Immer diese Hausaufgaben!“). Der Zuger Schulpsychologische Dienst nennt den frühen Nachmittag eine gute Wahl, weil Kinder nach Schule und Essen Pausen zum Erholen brauchen, und hält den Abend für Hausaufgaben für tabu (Schulpsychologischer Dienst Zug). Bieten Sie zwei Möglichkeiten an, mit denen Sie beide leben können, und lassen Sie Ihr Kind wählen.
- Lassen Sie Ihr Kind erst ankommen. Eine Pause, etwas zu trinken, ein kleiner Snack und Bewegung sind keine verlorene Zeit. Manche Kinder wollen sofort loslegen, andere brauchen nach dem langen Stillsitzen erst Bewegung (Schulamt).
- Richten Sie den Platz ein. Es muss nicht das eigene Zimmer sein, aber ein Ort, der Ruhe und Konzentration ermöglicht, ohne störende Musik oder Spielzeug in Griffweite (Schulamt). ADHS Deutschland empfiehlt einen leeren Schreibtisch, einen aufgeräumten Raum, bereitgelegte Arbeitsmaterialien, damit nicht nach Unterlagen gesucht werden muss, und Handys, die vor den Hausaufgaben eingesammelt werden (ADHS Deutschland). Der Zuger Dienst ergänzt: Den Schreibtisch am besten an die Wand stellen und nicht ans Fenster, wo Ablenkungen lauern.
- Beginnen Sie mit einem kleinen Ritual. Schauen Sie gemeinsam ins Hausaufgabenheft, listen Sie die Aufgaben auf, wählen Sie die erste und stellen Sie die Uhr. Drei Minuten genügen.
- Arbeiten Sie in kurzen Blöcken. ADHS Deutschland schlägt vor, einen Wecker auf die Zeit zu stellen, in der die Aufgaben erledigt sein sollen, oder auf einer analogen Uhr Anfang und Ende zu markieren, damit das Kind einen guten Überblick hat (ADHS Deutschland). Das Schulamt empfiehlt, das Ende absehbar zu halten, mit ausreichend Zeit zum Spielen. Jüngere oder schnell müde Kinder brauchen oft kürzere Blöcke, als man denkt.
- Schließen Sie warm ab. Würdigen Sie die Anstrengung („Du bist drangeblieben, obwohl Mathe schwer war“), haken Sie den Tag auf einer Tafel ab und packen Sie die Schultasche gemeinsam, damit fertige Arbeiten auch in der Schule ankommen.
Mit welcher Aufgabe fängt man an?
Die Quellen sind sich hier nicht einig, und beides ist vernünftig. Das Schulamt rät, mit dem Lieblingsfach zu beginnen, weil das ein Erfolgserlebnis schafft und Mut für Schwierigeres macht. Der Zuger Dienst empfiehlt dagegen, mit den schwierigen oder unbeliebten Aufgaben anzufangen und die leichteren als eine Art Belohnung zu machen. Probieren Sie beides aus und beobachten Sie, was für Ihr Kind besser klappt. Schreiben Sie bei vielen Aufgaben jede auf einen kleinen Zettel und ordnen Sie die Zettel gemeinsam: So wird aus einem Berg eine Reihe kleiner Hügel.
Acht spielerische Ideen für die Routine
Keine braucht besonderes Material. Wählen Sie eine oder zwei, behalten Sie, was funktioniert, und lassen Sie den Rest. Jedes Kind ist anders: Nehmen Sie, was zu Ihrem passt.
- Die Uhr schlagen. Stellen Sie einen Wecker auf einen kurzen, realistischen Block und schauen Sie, wie viel Ihr Kind mit voller Aufmerksamkeit schafft. Das Ziel ist nicht Tempo, sondern ein klarer Anfang und ein klares Ende. Lassen Sie Ihr Kind die Zeit wählen.
- Ziele-Bingo. Zeichnen Sie ein kleines Raster und schreiben Sie in jedes Feld ein Lernziel (eine Seite lesen, fünf Wörter üben, die erste Rechenaufgabe). Für jedes erreichte Ziel wird ein Feld abgedeckt.
- Dem Kuscheltier etwas beibringen. Kinder behalten oft besser, wenn sie erklären. Bitten Sie Ihr Kind, einem Stofftier oder Ihnen die Lektion beizubringen. Das Schulamt weist darauf hin, dass es wenig Sinn hat, Einträge Wort für Wort auswendig zu lernen. Wichtiger ist, dass das Kind die Inhalte in eigenen Worten erklären kann.
- Eine Mindmap zeichnen. Statt abzuschreiben, zeichnet das Kind das Thema in die Mitte eines Blattes und zieht bunte Äste. Das passt gut zu Sachkunde, Geschichte und Lesetexten.
- Quizmaster sein. Das Kind schreibt drei Fragen zum Gelernten auf (was, warum, wie) und fragt Sie ab, oder Sie beantworten sie gemeinsam. Einfache Lernkarten sind ein schnelles Training ohne Druck.
- An den Alltag anknüpfen. Zutaten für Brüche abmessen, Münzen für Rechenaufgaben zählen, die Einkaufsliste für die Rechtschreibung schreiben. Echte Aufgaben machen abstrakte Arbeit nützlich.
- Den Ort wechseln. Eine Decke auf dem Boden, ein sonniger Platz am Tisch oder ein „Hausaufgaben-Picknick“ können die Routine auffrischen. Bleiben Sie ruhig und halten Sie das Material griffbereit.
- Eine Punkte- oder Haken-Tafel einführen. ADHS Deutschland beschreibt einen Punkteplan: Schafft das Kind die Aufgaben in der vereinbarten Zeit, bekommt es einen Punkt, den es später gegen eine Belohnung eintauschen kann (ADHS Deutschland). Halten Sie Belohnungen klein und zeitnah und würdigen Sie die Anstrengung mehr als das Ergebnis. Ein spanischer Verbraucherratgeber rät sogar davon ab, Preise als Bestechung für Hausaufgaben zu nutzen: Sehen Sie die Tafel also eher als Fortschrittsprotokoll denn als Bezahlung.
Spiel soll die Arbeit erleichtern, nicht ersetzen. Wird aus einem Spiel Streit, kehren Sie ein, zwei Tage zur Routine zurück.
Ihre Rolle: Begleiter, nicht Hausaufgabenpolizei
Eltern rutschen leicht in die Rolle der Kontrolleure. Der Zuger Dienst rät, nicht die Lösung zu nennen, sondern dem Kind den Weg zu zeigen („Was meinst du, wie könnte es gehen?“), und die Rolle des „Hausaufgabenkontrollierers“ zu vermeiden: Die Beurteilung, ob die Aufgaben ordentlich gemacht sind, überlassen Sie der Lehrkraft (Schulpsychologischer Dienst Zug). Einige Sätze helfen:
- „Was hast du schon versucht?“
- „Erklär mir die Aufgabe mit deinen eigenen Worten.“
- „Welcher Teil ist am schwersten? Fangen wir mit dem leichten an.“
- „Ich setze mich mit meiner eigenen Arbeit hierher. Ruf mich, wenn du nicht weiterkommst.“
ADHS Deutschland weist darauf hin, dass eine ruhige Haltung der Eltern sich positiv auswirken kann. Braucht Ihr Kind für die Hausaufgaben länger, kann es je nach Situation sinnvoll sein, sich neben das Kind zu setzen und die Hausaufgaben zu begleiten (ADHS Deutschland).
Wenn es trotzdem hakt: Tabelle zur Soforthilfe
| Das sehen Sie | Das können Sie versuchen |
|---|---|
| Ihr Kind will nicht anfangen | Den ersten Schritt verkleinern: „Schlag nur das Heft auf und lies die erste Zeile.“ Wecker nur auf fünf Minuten. |
| Ständige Ablenkung | Handys und Tablets aus dem Raum, freier Schreibtisch, nur die aktuelle Aufgabe auf dem Tisch. |
| Tränen und Frust | Aufhören, kurz pausieren und mit einer leichteren Aufgabe weitermachen. Das Gefühl benennen, dann den nächsten Schritt. |
| Es wird nur schnell hingeschmiert | Eine kurze Kontrolle vereinbaren: Aufgabenstellung nochmals lesen, dann eine Frage zum Selbsttest. |
| Es vergisst, was zu tun ist | Hausaufgabenheft oder Liste zum Abhaken; bei unklaren Aufgaben die Lehrkraft fragen. |
| Die Hausaufgaben dauern viel zu lang | Eine kurze Nachricht an die Lehrkraft und nach dem erwarteten Zeitaufwand fragen. |
| Es kann nicht stillsitzen | Eine kurze Bewegungspause zwischen den Aufgaben oder im Stehen bzw. Gehen lernen. |
Das Schulamt nennt einen Richtwert: Arbeitet ein Kind sehr oft länger als eine Stunde (Grundschule) oder länger als zwei Stunden (Mittelschule) an den Hausaufgaben, suchen Sie unbedingt das Gespräch mit der Lehrkraft (Schulamt). Und ADHS Deutschland schreibt, dass auf manche Kinder leise Hintergrundgeräusche beruhigend wirken: Probieren Sie aus, was für Ihr Kind passt.
Wo ein Buch helfen kann
Eine Routine lässt sich leichter halten, wenn man an einem müden Dienstag mehr als eine Idee zur Hand hat. 100 Wege zur Unterstützung von Kindern mit ADHS und ADS von Magda Pabst ist ein Arbeitsbuch für Eltern und Lehrkräfte von Kindern im Alter von etwa 3 bis 12 Jahren. Das Kapitel zum schulischen Lernen enthält zehn Spiele und Übungen, darunter das Timer-Spiel (Lernblöcke mit sichtbarer Uhr und Pausen), das Bingo der Lernziele, Mindmaps, ein Lerntagebuch, kurze Selbsttests und die Idee, dass das Kind einem Spielzeug die Lektion beibringt. Ein anderes Kapitel behandelt einen ablenkungsfreien Hausaufgabenplatz und Checklisten für die Schule, ein weiteres schlägt vor, Lernen und aktive Pausen von 5 bis 10 Minuten abzuwechseln.
Das Buch wurde mit Blick auf Kinder mit ADHS geschrieben, doch viele Ideen passen zu jedem Kind, dem Hausaufgaben schwerfallen. Es ist ein praktischer Begleiter, kein medizinisches Hilfsmittel: Sie wählen aus, was zu Ihrem Kind passt. Die Boxen auf dieser Seite zeigen die Books-Go-Titel für Kinder.
Zusammenarbeit mit der Schule
Hausaufgaben sind ein Gespräch zu dritt: Kind, Lehrkraft und Sie. Der Zuger Dienst erinnert daran, dass Hausaufgaben auch der Lehrkraft helfen, Überforderung oder Schwächen zu erkennen, und Ihnen Einblick in den Schulstoff geben (Schulpsychologischer Dienst Zug). Brauchen Kinder regelmäßig viel länger als gedacht oder wissen sie nicht, was aufgegeben wurde, sagen Sie es der Lehrkraft. Das Schulamt rät außerdem zu einem Hausaufgabenheft, bei Bedarf mit Bildsymbolen für jüngere Kinder.
Mehr Ruhe im restlichen Tag finden Sie in unseren Ratgebern zur Medienzeit nach Alter, zur Ruheecke zu Hause, zu Wutanfällen bei Kindern und zu Übungen für Kinder mit ADHS. Alle Ratgeber finden Sie auf der Startseite von Books Go Publications und im Blog.
Wann Sie fachlichen Rat suchen sollten
Sprechen Sie zuerst mit der Lehrkraft und dann mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, wenn:
- die Hausaufgaben trotz stabiler Routine mehrere Wochen lang an den meisten Tagen eine Belastung sind;
- Ihr Kind sich auch bei kurzen Aufgaben nicht konzentrieren kann oder in der Schule und zu Hause sehr unruhig oder vergesslich wirkt;
- Frust, Tränen, Bauchschmerzen oder Angst vor der Schule mit den Hausaufgaben einhergehen;
- Ihr Kind Mühe hat, die Tafel zu sehen oder zu lesen;
- Sie eine Lernschwierigkeit oder eine Aufmerksamkeitsstörung vermuten.
Das Fragen um Rat ist ein Zeichen von Fürsorge, nicht von Versagen. Nur eine Ärztin, ein Arzt oder eine Fachperson kann ADHS diagnostizieren; dieser Ratgeber kann es nicht.
Häufige Fragen
Wie bekomme ich mein Kind ohne Streit zu den Hausaufgaben?
Vereinbaren Sie eine feste Zeit und einen festen Ort, halten Sie den ersten Schritt klein und nutzen Sie eine Uhr, damit das Ende in Sicht ist. Bleiben Sie ruhig, würdigen Sie die Anstrengung und lassen Sie Ihr Kind kleine Dinge selbst entscheiden, etwa womit es beginnt. Eine vorhersehbare Routine führt meist zu weniger Streit als ständiges Erinnern.
Wie lange sollten Hausaufgaben dauern?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Ein Schulamt nennt als Gesprächsanlass mehr als eine Stunde in der Grundschule oder mehr als zwei Stunden in der Mittelschule. Dauert es regelmäßig deutlich länger als von der Lehrkraft gedacht, sprechen Sie mit ihr.
Soll ich bei den Hausaufgaben neben meinem Kind sitzen?
Viele jüngere Kinder brauchen am Anfang Gesellschaft und arbeiten dann selbstständiger. Setzen Sie sich mit Ihrer eigenen Aufgabe in die Nähe, schauen Sie ab und zu vorbei und vermeiden Sie ständiges Kontrollieren. Nach dem Zuger Dienst sind Sie primär Eltern, nicht Kontrolleure.
Helfen Belohnungen bei Hausaufgaben?
Kleine, zeitnahe Belohnungen und ein Punkteplan können manchen Kindern helfen, vor allem beim Anfangen. Halten Sie sie bescheiden und würdigen Sie die Anstrengung. Manche Fachleute bevorzugen Lob und eine gute Routine statt Preisen: Beobachten Sie, wie Ihr Kind reagiert.
Ist leise Musik bei den Hausaufgaben in Ordnung?
Auf manche Kinder wirken leise Hintergrundgeräusche beruhigend, auf andere lenken sie ab. Probieren Sie es kurz aus und schauen Sie, wie viel Ihr Kind tatsächlich schafft.
Was, wenn mein Kind sagt, Hausaufgaben seien langweilig?
Manchmal sind sie es. Machen Sie die Aufgabe kürzer, fügen Sie ein kleines Spiel hinzu, verbinden Sie sie mit dem Alltag und erkennen Sie das Gefühl an („Ich weiß, die ist nicht spannend“). Dann machen Sie den ersten Schritt gemeinsam.
Kann ich Lernen auch für ein Kind mit ADHS spielerisch gestalten?
Ja, es gelten dieselben Ideen: eine Routine, kurze Blöcke mit sichtbarer Uhr, Bewegungspausen und viel Ermutigung. Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt und die Lehrkraft Ihres Kindes, welche Unterstützung es braucht.
Quellen
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Therapeutin, eines Therapeuten oder einer anderen Fachperson.



