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Ist Hypnose gefährlich? Risiken, Mythen, Vorsicht

Selbsthilfe

Books Go Team · Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit

Ist Hypnose gefährlich? Für die meisten gesunden Erwachsenen gilt Hypnose bei einer ausgebildeten Fachperson, oder eine ruhig gesprochene Hörsitzung zu Hause, als risikoarm. Die berichteten Nebenwirkungen sind meist leicht und klingen von selbst wieder ab, und gegen deinen Willen kann dich niemand zu etwas bringen. Trotzdem gibt es Vorsichtsregeln: Bei bestimmten psychischen Erkrankungen sprichst du besser vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt, Bühnenshows sind etwas anderes, und eine Hypnose-Aufnahme hörst du nie beim Autofahren. Hier findest du, was die Quellen sagen, welche Mythen du loslassen kannst, wer vorsichtig sein sollte und eine kurze Checkliste für Selbsthypnose.

Kurz gesagt:

  • Hypnose ist ein fokussierter, entspannter Zustand, kein Schlaf und keine Gedankenkontrolle.
  • Nebenwirkungen sind meist leicht: Kopfschmerz, Müdigkeit, Schwindel. Seltene Probleme gibt es.
  • Bei Psychosen, schwerer Depression, Suchtproblemen oder alten Traumata ist Vorsicht nötig.
  • Bühnenhypnose und unausgebildete Anbieter bergen mehr Risiko als eine ruhige, geführte Sitzung.
  • Hör Hypnose-Audios nie beim Autofahren. Frag im Zweifel deine Ärztin oder deinen Arzt.
Ist Hypnose gefährlich? Risiken, Mythen, Vorsicht
In diesem Artikel · 9 Min. Lesezeit
  1. Was Hypnose eigentlich ist
  2. Ist Hypnose gefährlich? Das sagt die Studienlage
  3. Hypnose-Mythen: Was nicht stimmt
  4. Wer vorsichtig sein sollte
  5. Ist Selbsthypnose sicher?
  6. Seriöse Anbieter erkennen
  7. Wie das Hörbuch „Hypnotisches Magenband" dazu passt
  8. Wann du dir Hilfe holen solltest
  9. Häufige Fragen zur Hypnose
  10. Quellen

Ist Hypnose gefährlich? Vier Checks vor dem Start: Ort, Gesundheit, Quelle und die Möglichkeit abzubrechen
Ist Hypnose gefährlich? Vier Checks, bevor du startest

Was Hypnose eigentlich ist

Hypnose ist ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und tiefer Entspannung, in dem du offener für Vorschläge bist. Du bist wach, hörst, was gesagt wird, und kannst die Augen öffnen oder jederzeit aufhören. Das Beobachter-Magazin schreibt: „Unter Hypnose kann nichts getan werden, was man sonst nicht auch tun würde", und: „Niemand ist ausserdem gegen seinen Willen hypnotisierbar" (Beobachter). Der Trancezustand entsteht durch gelenkte Aufmerksamkeit, nicht durch Willensbeherrschung.

Auch im Alltag kennst du Verwandtes: Du bist so in ein Buch oder eine vertraute Strecke vertieft, dass du die Zeit vergisst. Wichtig ist, zwei Bereiche zu trennen, denn die meisten Sorgen über die Gefahren von Hypnose entstehen, weil sie verwechselt werden:

Geführte Hypnose oder Selbsthypnose Bühnen- oder Showhypnose
Zweck Entspannung, Gewohnheiten, Therapie Unterhaltung
Tempo Langsam, ruhig, du kannst abbrechen Schnell, mit Druck durch das Publikum
Vorab-Gespräch Fachpersonen fragen nach deiner Gesundheit Meist keines
Wer steuert Du, mit einer Begleitung Die Showperson und das Publikum

Ist Hypnose gefährlich? Das sagt die Studienlage

Die ehrliche Antwort hat zwei Teile: Ernsthafte Schäden scheinen selten zu sein, aber „selten" heißt nicht „nie".

  • Nebenwirkungen kommen vor, sind aber meist mild. Das Deutsche Ärzteblatt nennt für die Hypnotherapie Nebenwirkungen bei zwei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten, darunter Kopfschmerzen sowie agitierte und depressive Irritationen (Ausgabe 3/2004, Deutsches Ärzteblatt). Die Schwäbische Zeitung beschreibt nach einer Sitzung mitunter längere Benommenheit, manchmal mit Kopfschmerzen, die meist von selbst abklingen (Schwäbische Zeitung).
  • Ein Überblick zeigt kurze Effekte. Der Psychologe John Gruzelier fand in einer Übersicht in Contemporary Hypnosis (2006), dass unerwünschte Wirkungen körperlich oder psychisch sein können und „mostly short-lived", also meist kurzlebig, sind. Wer stärker hypnotisierbar und stärker beteiligt ist, erlebt sie eher (Gruzelier, 2006, englisch).
  • Ernstere Probleme hängen mit bestimmten Situationen zusammen. Dieselbe Übersicht schreibt, dass schwerere Folgen wie Krampfanfälle, Stupor, spontane dissoziative Episoden oder das Wiederauftauchen alter Erinnerungen fast nur in klinischen Anwendungen und in der Unterhaltung vorkamen. Sie hält die Sicherheitsvorkehrungen bei Bühnenhypnose für unzureichend.
  • Eine ähnliche Einordnung gibt es auch anderswo. Die Gesundheitsseite sante.fr fasst einen Bericht des Forschungsinstituts Inserm von 2015 zusammen: In der Literatur seien keine schweren, der Hypnose zuzuschreibenden Nebenwirkungen berichtet worden, nur Kopfschmerzen, Schläfrigkeit oder Schwindel. Die Autoren betonen, dass sich solche Ereignisse nicht völlig ausschließen lassen (sante.fr, französisch).

Auch Popular Science zitiert den Psychologen Bruce Eimer: „Hypnosis, in and of itself, isn't dangerous". Schaden entstehe durch unfähigen oder unpassenden Einsatz (Popular Science, englisch). Eine ältere Studie aus den 1970er-Jahren, die dort beschrieben wird, hypnotisierte 209 Studierende: Wenige bekamen Kopfschmerzen oder Übelkeit, 25 fühlten sich benommen oder schläfrig, vergleichbar mit einer Prüfung oder Vorlesung.

Die Gesundheitsseite Better Health Victoria nennt als seltene unerwünschte Wirkungen Schwindel, Kopfschmerzen, Angst, Magenbeschwerden und falsche Erinnerungen (Better Health Victoria, englisch). Falsche Erinnerungen sind vor allem dann ein Thema, wenn Hypnose eingesetzt wird, um Vergangenes „hervorzuholen". Das gehört in die Hände klinisch ausgebildeter Fachleute.

Hypnose-Mythen: Was nicht stimmt

Das meiste, wovor Menschen Angst haben, stammt aus Filmen und Shows:

Mythos Was die Quellen sagen
„Jemand kann mich zu allem bringen." Unter Hypnose kann nichts getan werden, was du sonst nicht auch tun würdest. Mitarbeit ist nötig.
„Ich könnte in der Hypnose stecken bleiben." In den genannten Quellen ist kein solcher Fall berichtet. Du kannst die Augen öffnen und jederzeit herauskommen. Schläfst du bei einem Entspannungs-Audio ein, wachst du wie nach einem Nickerchen auf.
„Ich bin bewusstlos oder schlafe." Du bist wach, konzentriert und bei Bewusstsein.
„Ich vergesse alles." Gedächtnisverlust ist selten: Das spanische Psychologie-Portal Infocop nennt höchstens etwa 1,5 % der Hypnotisierten (Infocop, spanisch).
„Bei allen wirkt es gleich." Nein. Die Hypnotisierbarkeit ist individuell verschieden: Laut Beobachter lassen sich etwa fünf Prozent sehr leicht hypnotisieren und etwa fünf Prozent kaum.

Wenn du dich fragst, ob man in Hypnose stecken bleiben kann: Nein. Du gehst mit deiner eigenen Mitarbeit hinein und kannst heraus, indem du es beschließt.

Wer vorsichtig sein sollte

Obwohl das Risiko für die meisten gering ist, solltest du in diesen Fällen vor einer Hypnose mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Therapeutin sprechen:

  • Psychosen und ähnliche Erkrankungen. Better Health Victoria rät von Hypnose ab bei Psychose, schwerer Depression oder Alkohol- bzw. Drogenproblemen. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, Hypnotherapie sei zur Behandlung psychotischer Störungen „nicht zu empfehlen".
  • Frühere Traumata. Hypnose und tiefe Entspannung können Erinnerungen und Gefühle wecken. Hast du Trauma-Erfahrungen, arbeite mit einer ausgebildeten Therapeutin oder einem Therapeuten, nicht allein.
  • Körperliche Erkrankungen. Bei Diabetes, Herzproblemen, Verdauungsbeschwerden, Epilepsie, Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme frag vorher deine Ärztin oder deinen Arzt. Better Health Victoria rät ohnehin, vor jeder komplementären Therapie mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu sprechen.
  • Anhaltende Beschwerden. Nutze Hypnose nicht anstelle einer ärztlichen Abklärung.

Das heißt nicht, dass Hypnose für dich verboten wäre. Es heißt, dass die Entscheidung mit einer Fachperson fallen sollte, die deine Gesundheit kennt.

Ist Selbsthypnose sicher?

Geführte Selbsthypnose, etwa ein Entspannungs-Audio, besteht meist aus Atmung, einer Körperreise und ruhigen Bildern. Es gibt keinen Einfluss einer fremden Person, und du kannst jederzeit abbrechen. Für viele gesunde Erwachsene ist das eine risikoarme Praxis, wobei die obigen Vorsichtshinweise gelten. „Risikoarm" heißt aber nicht „risikofrei". Diese Gewohnheiten helfen:

  1. Such dir einen ruhigen, sicheren Ort. Setz oder leg dich dorthin, wo du entspannen kannst. Nicht in einem fahrenden Fahrzeug.
  2. Hör nie beim Autofahren. Auch nicht „nur kurz". Ein Hypnose-Audio soll dich entspannen, und Entspannen und Fahren passen nicht zusammen. Dasselbe gilt für Maschinen und alles, was deine volle Aufmerksamkeit braucht.
  3. Wähl eine klare Quelle. Achte auf eine genannte Autorin oder einen Autor, ein erkennbares Ziel und ehrliche Worte. Sei skeptisch bei Versprechen von schnellen Lösungen.
  4. Fang kurz an. Ein paar Minuten genügen, um zu merken, wie du reagierst.
  5. Denk daran, dass du abbrechen kannst. Augen öffnen, tief atmen, Kopfhörer abnehmen. Wenn sich etwas falsch anfühlt, hör auf und setz diese Sitzung nicht fort.
  6. Geh sanft mit starken Gefühlen um. Weckt eine Sitzung Schmerzhaftes, ist das ein Zeichen, mit jemandem zu sprechen, nicht durchzuhalten.
  7. Frag im Zweifel eine Fachperson. Eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin kann sagen, ob Hypnose zu deiner Situation passt.

Leichte Müdigkeit nach einer Sitzung ist normal. Gönn dir eine Minute, bevor du aufstehst, vor allem, wenn du gelegen hast.

Seriöse Anbieter erkennen

Wenn du lieber mit einem Menschen arbeitest, sind sich mehrere Quellen ähnlich einig: Such Ärztinnen, Zahnärzte oder Psychotherapeutinnen mit Zusatzausbildung in Hypnose, frag nach ihrer Qualifikation und sei misstrauisch bei schnellen Heilsversprechen. Der Beobachter rät, sich nicht an „selbsternannte Heiler" zu wenden, sondern an eine qualifizierte Hypnotherapeutin oder einen Hypnotherapeuten. Die Schwäbische Zeitung nennt Fachgesellschaften wie die DGH, die DGZH und die Milton H. Erickson Gesellschaft, die Therapeutenlisten anbieten, und warnt, dass eine Internetsuche nach „Hypnose" überwiegend unseriöse Angebote liefere.

Wie das Hörbuch „Hypnotisches Magenband" dazu passt

Wenn dich geführte Hypnose für Essgewohnheiten interessiert, kennst du vielleicht unser Buch „Hypnotisches Magenband für das Idealgewicht ohne Diät" von Elsa Ebner. Es ist vor allem zum Hören gedacht: Eine Hauptsitzung, in der du dir ein „virtuelles Magenband" als symbolisches Bild vorstellst, dazu kurze Tagesskripte für Portionen, Heißhunger und Abende. Es ist eine geführte Entspannung, keine Operation und keine medizinische Behandlung.

Einige Punkte passen zu diesem Artikel. Das Buch sagt selbst, dass du es nicht beim Autofahren hören sollst. Es sagt, dass Hypnose keine Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen ist und dass Leserinnen und Leser mit Erkrankungen wie Diabetes, Herzproblemen oder Verdauungsstörungen ihre Ärztin oder ihren Arzt einbeziehen sollten. Es ersetzt keine Therapie und keine ärztliche Beratung und verspricht keine Ergebnisse. In den ersten Kapiteln räumt es auch mit den genannten Mythen auf, etwa Kontrollverlust und „Steckenbleiben". Es spricht dich mit „du" an und kommt ohne Diät aus.

Du kannst es als Hörbuch bei Audible und als Buch bei Amazon finden, die Links stehen im Kasten unten.

Mehr zum Thema findest du in Hypnose zum Abnehmen: Was du erwarten kannst und Magenband-Hypnose: So läuft das virtuelle Magenband ab. Weitere Ratgeber gibt es auf der Startseite von Books Go Publications und im Books-Go-Blog.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Sprich vor einer Hypnose mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Therapeutin, wenn du eine schwere psychische Erkrankung hast, wenn es in deiner Geschichte Traumata gibt oder wenn du Medikamente nimmst oder eine körperliche Erkrankung hast. Brich ab und hol dir Rat, wenn dich eine Sitzung sehr ängstlich oder verwirrt zurücklässt oder wenn es dir danach schlecht geht. Hypnose ist eine Ergänzung, kein Ersatz für eine medizinische Behandlung. Wenn es dir sehr schlecht geht, findest du über findahelpline.com Hilfsangebote in deiner Nähe.

Häufige Fragen zur Hypnose

Ist Hypnose gefährlich für das Gehirn?

In den genannten Quellen gibt es keinen Hinweis, dass Hypnose das Gehirn schädigt. Es ist ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, ähnlich dem Versunkensein in ein Buch. Dokumentiert sind vor allem leichte Effekte wie Kopfschmerzen und seltener psychische Reaktionen bei empfindlichen Menschen oder in unkontrollierten Situationen.

Kann man in Hypnose stecken bleiben?

Nein. Hypnose ist kein Zustand, in dem man gefangen sein kann, und du kannst jederzeit die Augen öffnen und herauskommen. Schläfst du bei einem Entspannungs-Audio ein, wachst du wie nach einem Nickerchen auf.

Kann mich jemand gegen meinen Willen zu etwas bringen?

Nein. Niemand ist gegen seinen Willen hypnotisierbar, und unter Hypnose kann nichts getan werden, was man sonst nicht auch tun würde. Bühnenshows wirken anders, aber sie leben von Freiwilligen, die mitspielen.

Welche Nebenwirkungen kann Hypnose haben?

Meist leicht und kurz: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, manchmal Angst oder Magenbeschwerden. In seltenen Fällen, vor allem bei unausgebildeten Anbietern oder Bühnenhypnose, wurden stärkere Reaktionen beschrieben. Wenn dich eine Reaktion beunruhigt, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Ist Selbsthypnose gefährlich?

Für viele gesunde Erwachsene ist sie risikoarm, wenn du sie an einem ruhigen Ort und nie beim Autofahren machst. Sie ist nicht risikofrei und keine Behandlung für schwere psychische Erkrankungen. Bei einer solchen Erkrankung, früheren Traumata oder körperlichen Problemen frag zuerst eine Fachperson.

Ist Bühnenhypnose gefährlicher als Therapie?

Die Quellen deuten darauf hin. Gruzelier hält die Sicherheitsvorkehrungen bei Bühnenhypnose für unzureichend, und laut Beobachter haben die Auftritte „wenig" mit echter Hypnose zu tun. Eine geführte Sitzung bei einer ausgebildeten Fachperson umfasst ein Vorgespräch und ein ruhiges Tempo.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Therapeutin, eines Therapeuten oder einer anderen Fachperson.